Porto Santo Sandtherapie - Strand
Der Sand von Porto Santo ist heilsam
Porto Santo Sandtherapie - Wannen
In Wannen aus Holz und Metall werden die Patienten mit dem warmen Sand behandelt
Porto Santo Sandtherapie - der Norweger Thorleif Lillegaard
Thorleif Lillegaard ist überzeugt von der Sandbad-Therapie auf Porto Santo
Porto Santo Sandtherapie - bis zum Hals im Sand
Bis zum Hals mit Sand bedeckt - die unfallverletzte Norwegerin
Porto Santo Sandtherapie - Hotel Porto Santo Garten
Vom Spa geht es durch den großen Garten direkt an den Strand

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Warmer Sand gegen den ewigen Schmerz

7. Januar 2012

Wundertherapie auf der Atlantik-Insel Porto Santo?

Seimetz/Meier - „Als ich acht Jahre alt war, bin ich mit meiner Oma nach Porto Santo in die Ferien gefahren. Wir saßen oft in den Dünen, und die Oma bedeckte dabei immer ihre Knie mit dem warmen goldfarbenen Sand. Das tat ihr so gut.“ Der kleine Junge aus Madeira ist inzwischen fünfzig Jahre alt und Direktor des „Hotel Porto Santo“. Raul Gonçalves glaubt fest an die Heilkraft des Sandes der Atlantik-Insel. Stolz führt er durch das 900 Quadratmeter große Spa, das dem Vier-Sterne-Hotel angeschlossen ist. "Hier werden Menschen innerhalb weniger Tage von unsäglichen Schmerzen befreit", sagt der Hotelchef. „Meistens schlafen sie ein im Sandbad. Und nach wenigen Anwendungen schon merken sie, wie die Schmerzen schwächer werden, bis sie schließlich ganz verschwinden“, erklärt er. „Patienten mit Fibromyalgie oder Rheumapatienten, Opfer von Verkehrsunfällen mit Schmerzen in Nacken, Schulter und Wirbelsäule, Patienten nach einer Amputation, kurz: Menschen, die täglich starke Schmerzmittel einnehmen müssen, kommen zu uns. Wir können sie nicht heilen, aber unsere Sandtherapie befreit sie vom Schmerz.“

Dem Sand von Porto Santo wird seit langem eine heilende Wirkung zugeschrieben. Der Sand enthält viel mehr Kohlenstoff als Sand an anderen europäischen Stränden. Seine Bestandteile sind Reste der Korallenriffe, die vor Millionen Jahren, in der Entstehungszeit Porto Santos, um die Insel herum lagen. Die Korallen starben, als das Meerwasser kühler wurde. Ausserdem besteht der Sand aus unzähligen zerriebenen Muschelschalen. Nachgewiesen wurde auch ein überdurchschnittlicher Anteil an Strontium, das inzwischen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Osteoporose spielt. „Unser Sand ist auf eine Weise reichhaltig wie kein anderer“, schwärmt Gonçalves. Seit 1995 leitet der das Hotel auf Porto Santo. Er erinnert sich lebhaft an die Sand-Therapie in der Aufbauphase des Spa: „Zuerst hatten wir nur eine Art großes Zelt, das eine Fläche von Sand überdeckte. Die Patienten wurden direkt in diesen Sand eingegraben.“ Vor fünfzehn Jahren wurde eine erste kleine „Studie“ durchgeführt, um herauszufinden, ob der Sand von Porto Santo tatsächlich Wirkungen aufweist, die man anderswo nicht findet. „Eine Gruppe von Rheuma-Patienten wurde zweigeteilt,“ berichtet Gonçalves. „Während die eine Hälfte nach Gran Canaria fuhr, kam die andere Hälfte in der genau gleichen Zeit zu uns an den Strand von Porto Santo. Bei allen Patienten wurde dieselbe Sandbadtherapie durchgeführt. Doch der Unterschied war frappant. Die Patienten auf Gran Canaria hatten sich zwar erholt, doch ihre Schmerzen waren geblieben. Die Porto-Santo-Patienten fuhren durchweg schmerzfrei nach Hause.“

Nach der Besichtigung von edlen Badestätten und Ruhezonen offenbart Raul Gonçalves das Kernstück des Spa: Zwölf Wannen aus Holz und Metall sind zu einem kleinen Teil bereits mit Sand gefüllt. Der Patient oder die Patientin legt sich bequem in die Wanne, die dann aus einem Schlauch mit Sand aufgefüllt wird. Dabei hat der Sand eine Temperatur von 41 Grad. Nach einer halben Stunde erheben sich die Patienten. Der meiste Sand fällt bald vom Körper, doch soll man nicht sofort duschen, damit der Sandfilm möglichst lange auf der Haut haften bleibt. Zwei Anwendungen pro Tag sind ideal. Die Therapie insgesamt geht über ein oder zwei Wochen. Eine deutliche Schmerzlinderung tritt normalerweise nach dem zweiten Behandlungstag ein. Fibromyalgie-Patienten spüren Erleichterung oft schon nach der ersten oder zweiten Anwendung. „Viele unserer Patienten leiden wegen der Schmerzen an massiven Schlafstörungen. Sie können hier schnell wieder durchschlafen. Meist schon ab dem dritten Tag fühlen sie sich kräftiger und lebensfroh“, fasst Raul Gonçalves seine Erfahrungen zusammen.

Der Sand wird nach der Behandlung aus der Wanne entfernt und aufwendig gereinigt und getrocknet, bevor er für eine neue Behandlung zur Verfügung steht. Wegen der großen Wärme ist die Sand-Therapie für Menschen mit nicht behandeltem hohen Blutdruck und mit starken Herz-Kreislauf-Problemen ungeeignet.

Thorleif Lillegaard ist 70 Jahre alt, Norweger und von Anfang an bei dem Projekt von Porto Santo mit von der Partie. „Ich habe einen Kontakt zu einem Schmerztherapeuten in Oslo hergestellt, dem wir die medizinische Begleitung unserer norwegischen Patienten verdanken.“ Lillegaard zeigt das Foto einer Norwegerin, die 2008 und dann noch einmal im Folgejahr da war. Die Frau hatte einen Verkehrsunfall in Oslo erlitten, mit schweren Folgen im Nacken-  und Kieferbereich.
 Neben dauerhaften Schmerzen machten dem Unfallopfer erhebliche Konzentrationsprobleme das Leben schwer. Über Jahre wurden Schmerztabletten zur täglichen Einnahme verabreicht. „Nach zwei jeweils zweiwöchigen Therapien im Spa von Porto Santo ist die Dame schmerzfrei, benötigt keine Medikamente mehr und kann auch wieder regelmäßig einer Arbeit nachgehen.“ Lillegaard schränkt ein: „Der Therapieerfolg hält in der Regel ein dreiviertel Jahr, manchmal auch ein ganzes Jahr an. Danach kommen die Schmerzen zurück.“ Der Mann mit gewinnendem Lächeln und gebräunter Haut scheint vor Gesundheit nur so zu strotzen und bezeichnet sich selbst als einen überzeugten Anhänger von Naturheiltherapien. Er rechnet damit, dass in den kommenden Jahren nicht nur - wie bisher – Patienten mit Rheuma, Fibromyalgie oder chronischen Schmerzen in der Wirbelsäule zur Sand-Therapie nach Porto Santo kommen. Liellegaard erwartet darüber hinaus viele Patienten, die nach Amputationen an Phantom-Schmerzen leiden.
Ein erstes Gutachten über die Effizienz der Porto-Santo-Sand-Therapie wurde vom norwegischen Gesundheitsministerium als methodisch unkorrekt in Frage gestellt. Ein anderes Gutachten seitens einer portugiesischen Universität ist während der aktuellen Finanzkrise Portugals ins Stocken gekommen. So fehlt de facto der Schmerztherapie die medizinisch-wissenschaftliche Anerkennung. Die Folge davon liegt auf der Hand: Die Patienten müssen den Kuraufenthalt selbst tragen. Die Preise haben sich gewaschen. 490 Euro bezahlen Gäste des Hotels für die vierzehn Anwendungen in einer Woche. Patienten, die sich woanders einquartieren und als Externe ins Spa kommen, zahlen für die gleiche Leistung 700 Euro. Das ist ein hoher Preis. Wessen Leben durch Schmerzen zur Qual wird ist, ist wohl dennoch bereit, ihn zu zahlen.

Weitere Informationen in deutscher Sprache unter folgender Rufnummer 00351 – 96 834 6393 oder per e-mail      redaktion@madeira-zeitung.de

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