Walbeobachtung mit Lobosonda
Pilotwale, fotografiert bei einer Fahrt der "Ribeira Brava" Anfang Oktober 2011, Walbeobachtung mit www.lobosonda.com

Druckansicht

Walmuseum wieder eröffnet

10. Oktober 2011

Caniçal mit neuer Attraktion

sts - Das Walmuseum in Caniçal war mehrere Jahre geschlossen. Im September wurde es im großen Neubau - nun nicht mehr im Dorfzentrum, sondern am westlichen Dorfrand - feierlich wieder eröffnet.

Wer sich auf Madeira für Wale interessiert, denkt an den Pottwal. „Moby Dick“ kommt vor Madeira so häufig vor, dass die Dreharbeiten für diesen Film tatsächlich in den Inselgewässern stattfanden – die im Hintergrund sichtbare Landschaft wurde anschließend sorgfältig herausgeschnitten. 41 Jahre lang wurde der Wal von madeirensischen Walfängern bejagt – von 1940 bis 1981. In dieser Zeit wurden fast 6000 (unterschiedliche) Wale erlegt. Das große Tier wurde gleich am Ufer des Meeres verwertet – und fast nichts blieb übrig. Tran, Fleisch und Haut wurden gewonnen. Besonders wertvoll waren „Walrat“, eine wachsartige Substanz im Kopf des Pottwals, die für die Herstellung von Kosmetik und Maschinenöl noch heute benutzt wird, und „Ambra“, eine Substanz aus dem Darm der großen Säugetiere, die in der Parfümproduktion benötigt wird.
Doch das Washingtoner Artenabkommen untersagt die Jagd auf Pott-, Finn- und Seiwale. Portugal unterschrieb dieses Abkommen 1980. Zwar gab es zunächst noch Ausnahmeregelungen für Madeira, doch zu dieser Zeit war der Walfang ohnehin schon nicht mehr lohnenswert und schon im Jahr 1981 verzichtete man auf Madeira auf den Walfang. Im Jahre 1986 wurde in den madeirensischen Hoheitsgewässern ein Nationalpark für Meeressäugetiere errichtet: Wale, Delfine und Robben stehen hier unter Schutz.

Das Walmuseum war zunächst ein ganz kleines, altmodisches Museum in zwei Räumen im Zentrum des früheren Walfänger-Dorfes Caniçal. „Klein, aber fein“, sagten viele Besucher. 1990 war es mit Unterstützung der ehemaligen Walfänger eröffnet worden, die zu Schützern der Meeresriesen geworden waren. Mit Liebe zum Detail wurde die enorme Bedeutung des Walfangs für das östlichste Dorf Madeiras lebendig gemacht. Wer genügend Fantasie aufbrachte, konnte das blutige Schlachten vor seinem inneren Auge erleben, das angeblich die gesamte Südostküste mit bestialischem Gestank verpestete.
Jetzt wurde das neue Museum eröffnet, mit viel Platz für die Ausstellungsstücke, mit Räumen für Vorträge und Seminare, und auch mit Räumen für wissenschaftliche Forschung. Ein kleiner Museums-Shop und eine Cafeteria laden zum Besuch ein.
Das Walmuseum zeigt sich auch für die wissenschaftliche Begleitung der Walbeobachtung vor Madeira zuständig. Die Experten des Walmuseums werden regelmäßig zu Rate gezogen, wenn ein Meeressäugetier krank im Wasser treibt oder wenn ein Kadaver angeschwemmt wird. Das Museum führt auch selbst Projekte durch und erstellt Statistiken über die vor Madeira beobachteten Tiere.

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr, Eintrittpreis EUR 12,- bzw. EUR 9,- für Residenten Madeiras

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.