Im Vordergrund ein Segelboot, im Hintegrund die Gebäude der Freihandelszone bei Canical

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Singapur im Atlantik

4. August 2011

Madeiras Regierungschef träumt von der Ausweitung der Freihandelszone

latour- Madeiras Freihandelszone ist jetzt schon skandalträchtig. Gaddafi unterhält über seinen Chef-Berater eine Firma dort. Der Schwiegersohn des kubanischen Staatschefs Raul Castro ist mit „Caribbean Sea Food Trading e-Marketing S.A.“ in Madeiras Steueroase angesiedelt. Und auch Italiens Porno-Queen Jessica Rizzo hat Gewinne am italienischen Gesetz vorbei in Madeira Off-Shore untergebracht.

Madeiras Regierungschef wird nicht müde, das „Ende des alten Kapitalismus“ zu proklamieren. Dem Mann, der die Autonome Region Madeira in den faktischen Bankrott regiert hat, bleibt nur der rettende Traum von einem schrankenlosen Kapitalismus auf seiner Insel. Mitstreiter für die Ausweitung der Freihandelszone auf den gesamten Inselbereich zu finden, dürfte nicht leicht sein. Die Geldgeber des finanziell angeschlagenen Portugal wollen höhere Staatseinnahmen sehen, aber keinen Verzicht auf Steuergelder. Frankreichs Sarkozy plädiert gar für die Liquidierung der Freihandelszone Madeiras. Die Gewerkschaften machen geltend, dass von den rund drei Tausend Firmen, die in der Freihandelszone wirtschaften, mehr als 2400 keinen einzigen Arbeitsplatz geschaffen haben.
Die Zona Franca ist ein Verschiebebahnhof der dubiosen Geschäfte. Die italienische Polizei hat mit madeirensischer Amtshilfe in den vergangenen Monaten mehrere Razzien dort durchgeführt. Den äußeren Druck zu entschärfen, hat Madeiras Regierung einer Besteuerung der Firmenumsätze mit zwei Prozent ab Januar 2012 zugestimmt.

Zu einem internationalen Umschlag- und Handelsplatz würde der Regierungschef Madeira gern machen. So wie Singapur es ist, dass seit 1993 Wirtschafts- und Handelsbeschränkungen gegenüber anderen Weltregionen immer weiter abbaute. Dabei prosperierte die Wirtschaft des Landes deutlich. Man verdient daran, dass Firmen die steuerlichen Regeln ihres Heimatlandes hinter sich lassen können. Die Steueroase ist so zu einem Wirtschafts- und Handelsstandort mit beträchtlicher Dynamik geworden. Die Dynamik speist sich aus der tendenziellen Deregulierung.
Es ist ein gesetzloser Kapitalismus – zumindest in volkswirtschaftlicher Hinsicht - , der dem alten Regenten von Madeira vorschwebt. In Europa wird er dafür nur wenige Verbündete finden.

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