große Windräder stehen auf der Nordflanke des Paul da Serra
Windräder auf dem Paul da Serra
wie ein hellgrauer Teppich liegen die Paneele auf der Südfläche des Paul da Serra
Die erste Photovoltaik-Fläche ist bereits oberhalb Calheta in Bau

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Elektrische Landschaften

29. Juli 2011

Ökologische Optionen sind längst nicht mehr ohne Widerspruch

um - Madeira will seinen Strom selber produzieren – mit Sonne, Wasser und Wind. Was bahnbrechend für die Verfechter „sauberer“ Energie klingt, stößt bei anderen Umweltbewussten auf Kritik. „Die Wind- und Solarparks verschandeln die Landschaft Madeiras“, lautet der Vorwurf.

Madeiras Hochebene Paul da Serra ist eine Welt für sich. Karg und kühl, entweder in Wolken gehüllt oder darüber. Selten hat man klare Sicht aufs Meer und Dörfer hinab. Da oben auf 1000 Meter Höhe wächst fast nichts und wohnt keiner mehr. Im Winter fällt manchmal Schnee. Es ist eine Mondlandschaft, die gar nicht zu Madeira passt und darum fasziniert. Nun wird diese Einöde zum Ökologie-Park umgerüstet. Überdimensionale Windräder bilden kilometerlange Bahnen. Dazu kommen bis Ende 2011 45 Tausend Solar-Paneele, die gleichförmige Schneisen in die Hänge schlagen. „Ich bin ja auch für sauberen Strom“, sagt Hartmut T., der seit fast zwanzig Jahren in Calheta wohnt. „Aber die Hochebene wird nun völlig beherrscht von der High-Tech-Apparatur. Es lohnt nicht mehr, hinaufzufahren. Verschandelt sieht es aus.“
Die massive Solarfront kann Stürmen mit einer Geschwindigkeit bis zu 220 km/h trotzen. 35 Millionen Euro kostet ihr Aufbau. Sie wird zehntausend Wohneinheiten mit Strom versorgen. Zusammen genommen ersparen Windräder und Photovoltaik-Zellen auf der Hochebene der Umwelt 34 Tonnen CO2 pro Jahr. „Es gibt Leute, die an allem herumnörgeln“, klagt Hajo K. aus Ponta do Pargo. „Wenn man den Ausstoß von Kohlendioxid ernsthaft begrenzen will, müssen sichtbare Maßnahmen getroffen werden. Die Nörgler kommen auf die Hochebene mit GPS und Klimaanlage gefahren, und holen sich nach ihrer Tour ein leckeres Fläschchen Wein aus dem Kühlschrank. Demnächst fahren sie alle Elektro-Autos und gerieren sich als Öko-Freaks. Nur darüber, wo ihr „sauberer“ Strom herkommen soll, da machen sie sich keine Gedanken.“ Der Energiebedarf steigt ständig. Eine Begrenzung des Anstiegs ist illusorisch. Hajo K. nimmt eine elektrische Landschaft wie die von Paul da Serra in Kauf, auch wenn sie technisch zugerüstet erscheint. Natürlich wird es immer wieder Personen geben, die für die Blumeninsel Madeira Naturbelassenheit deklarieren. Die Regierung der Blumeninsel scheint deshalb den größten Öko-Energie-Park dorthin zu legen, wo wenig Blumen wachsen.

Leserbriefe

A. Weidinger 18.08.2011 15:38

Hallo Hartmut T.
ich weiß nicht ob ich Dich kenne, aber wenn Dir der Anblick nicht gefällt, schau einfach nicht hin. Oder noch besser zieh um nach Camera de Lobos, in die Abgasfahne des Ölkraftwerkes, dann gefallen Sie Dir irgendwann die Windräder.
Leider sind die Portugiesen viel zu langsam mit dem Ausbau. Die Insel könnte längst selbständig sein mit der ökologischen Stromproduktion, genug Kapital vagabundiert auf der Welt rum um das zu Forcieren. Aber die Bremser und Betonköpfe sitzen überall. Leider auch in Calheta.
Nix für ungut Hartmut aber das musste gesagt werden.

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