Ein grünes Tal mit bewachsenen steilen Hängen, unten auf der Wiese eine einsame Wanderin
Madeiras Norden ist wild und dünn besiedelt

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Madeira wächst

11. Juli 2011

Die Landflucht hält an

sheila - Auf 268 Tausend Menschen stieg die Bevölkerungszahl Madeiras und Porto Santos.
Das sind 23 Tausend Einwohner mehr als vor zehn Jahren. Die Zahlen, die das portugiesische Statistikamt vor wenigen Tagen bekannt gab, überraschen. Denn die Geburtenrate ist seit Jahren rückläufig. Die Leiterin des regionalen Statistikamtes Raquel Costa erläuterte am 6. Juli die beim Census 2011 erhobenen Zahlen und erklärte den Anstieg der Bevölkerungszahl mit der massenhaften Rückkehr von madeirensischen Gastarbeitern aus dem politisch instabilen Venezuela. „In den 50er und 60er Jahren zählte Madeira 270 Tausend Einwohner. Dann sind Unmassen junger Menschen emigriert, und jetzt kommen viele als Rentner zurück“, sagte Costa bei einer Informationsveranstaltung im Jesuiten-Kolleg zu Funchal.

Trägt man den amtlich vorgelegten Zahlen Rechnung, verlor die ohnehin bevölkerungsschwache Nordzone Madeiras etwa zehn Prozent an Einwohnern. In den Regierungsbzirken Porto Moniz, São Vicente und Santana leben nur noch wenig mehr als 16 Tausend Personen. Diejenigen „Nordlichter“, die wegzogen, gingen in die Ballungsgebiete Funchal und Caniço, das zum Regierungsbezirk Santa Cruz gehört. Santa Cruz wuchs in den zurückliegenden zehn Jahren um 45 Prozent – die vielen neuen Apartmentblocks sind bei der Fahrt über die Autobahn unübersehbar.
Diese Erhöhung der Einwohnerzahl im Osten der Insel dürfte auch den Pendlern geschuldet sein, die in der Hauptstadt arbeiten, aber wegen der hohen Mieten und Hauspreise „nebenan“ wohnen – kaum zehn Minuten dauert die Autofahrt.

In Funchal leben 112 Tausend Menschen (achttausend mehr als vor zehn Jahren). Damit versammelt die Inselhauptstadt 42 Prozent aller Madeirenser in ihren Stadtgrenzen. Ebenso wie Santa Cruz im Osten wächst Câmara de Lobos im Westen zügig mit. Dank der gut ausgebauten Autobahn in beide Richtungen werden die Nachbardistrikte zu Suburbs der Kapitale.

Die Volkszählung wurde mit großem Aufwand im Frühjahr 2011 durchgeführt. Unzählige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren vorher geschult worden und besuchten innerhalb von zwei Wochen die Familien zu Hause. Soweit nötig und gewünscht waren sie auch beim Ausfüllen behilflich. Die Bevölkerung wurde vor allem nach der Personenzahl in der jeweiligen Wohneinheit befragt, ebenso nach Herkunft, Alter, Ausbildung, Beschäftigung, Entfernung zum Arbeitsplatz u.ä.

Fazit für Urlauber: Wer Ruhe und Erholung sucht, verbringt die Ferien am besten auf dem Land. Der Norden ist touristisch kaum erschlossen und für den Individualtourismus ideal. Man muss allerdings auch im Sommer Regenkleidung dabei haben. Der Süden ist sonnenverwöhnt, dafür dicht besiedelt. Wer buntes Treiben, kulturelle Angebote, Straßencafés und Shopping-Meilen sucht, ist in Funchal gut aufgehoben. Die City wurde großzügig verkehrsberuhigt und verfügt über die meisten innerstädtischen Grünflächen Portugals. Obwohl Funchal für madeirensische Verhältnisse ein wucherndes Ungeheuer ist, kann die Atmosphäre in der City als gelassen und angenehm südländisch beschrieben werden.

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