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Eingebauter Dachschaden

25. Juni 2011

Das Würfelhaus mit Flachdach kommt teuer zu stehen

um - Die große Fensterfront ermöglicht traumhafte Ausblicke. Eine rationale Konstruktion nutzt allen Raum präzise aus. Der Würfelbau ist der architektonische Hit unserer Zeit, auch in Madeira. Doch der Bauunternehmer Ricardo von der Firma „Quatro Pilares“ erklärt frank und frei: „Diese neuen Häuser mit Flachdach baue ich nicht mehr.“

Die Würfelarchitektur ist die konsequente Zurückweisung der Pappmaché – Spielerei der Postmoderne. Da werden klare Linien den Türmchen und Erkern der Architektur der 80er Jahre entgegengesetzt. Die seichte Spielerei ist überholt. Aber auf Madeira scheint die neuzeitliche Alternative zumindest bauwirtschaftlich eine Fehlinvestition zu sein. „Anders als in Mitteleuropa haben wir auf Madeira im Herbst und Winter heftige Regenfälle. Da stehen tagelang Pfützen auf dem Flachdach und infiltrieren mit der Zeit die Deckenstruktur,“ klagt der Bauunternehmer Ricardo (44). „Heftige Regengüsse gibt es vielleicht nur sieben Mal im Jahr. Aber nach vier Jahren ist die Feuchtigkeit ins Dach eingezogen. Und dann beginnen die Wehklagen der Eigentümer.“ Dach Abdecken, neu Isolieren, und irgendwann das gleiche Spiel aufs Neue. „Ich mache das nicht mehr.“ Senhor Ricardo hat mit seiner Firma, die auf deutsch „Vier Pfeiler“ heißt, reichlich Erfahrung gesammelt. Darunter waren auch viele Anschuldigungen von Bauherren, die ihm die Fehler der Architekten in die Schuhe schieben wollten. „Am Ende wurden wir beschuldigt, nicht solide gearbeitet zu haben. Aber der Fehler liegt in der Horizontalen, die den Regenpfützen keinen Abfluss gewährt.“ Folgerung für Madeira: „Keine Würfelbauten mit Flachdach kaufen.“ Auch wenn sie von innen und außen schön aussehen.

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