Markt mit Tücken

29. Mai 2011

In Funchals Markthalle wirkt eine Preis-Mieten-Spirale

pedro - Anna und Robert B. waren fasziniert. Die Obststückchen, die der Verkäufer dem Paar auf der Messerspitze zum Probieren anbot, schmeckten exquisit. Anonas und Papayas aus Madeira, brasilianische Mangos, auch Früchte aus Costa Rica und Ostasien, deren Namen die beiden Düsseldorfer noch nie gehört hatten. Ein Tütchen stand für die Schleckermäuler schon bereit. Der Preis: 45,- Euro.

Robert B., als Hauptschullehrer nicht ganz unerfahren mit Dreistigkeiten, wies die Preisforderung klar zurück. Ein Kassenirrtum habe sich eingeschlichen, lenkte der Verkäufer schnell ein und entschuldigte sich vielmals. Für „nur“ 30,- Euro erhielt das Urlaubspaar dann den Zuschlag und verliess mit einem vollen Tütchen wohlgemut den ersten Stock der Markthalle von Funchal.

Kathrin und Gerold aus der Rhön waren von Anfang an auf der Hut. Sie kauften an einem Freitag im Parterre bei den regionalen Bauern ein. Die Preise waren akzeptabel. Nur bei einer unbekannten Frucht konnte Kathrin nicht widerstehen. Die „Ananas-Banane“ erstand sie für vier Euro. „Musst Du noch ein paar Tage warten, bis sie reif ist“, sagte der Verkäufer. Leider wird diese Frucht nie reif werden, denn sie wurde zu früh gepflückt. Die Frucht des „Fensterblatts“ (Monstera) pflückt man im Oktober/November. Wer sie unreif anbietet, will Touristen auf unlautere Weise Geld abknöpfen.

In der Markthalle von Funchal sollte man insbesondere bei den festen Händlern vorsichtig sein. Sie benötigen hohe Gewinnmargen, da die zu zahlenden Standgebühren horrend sind. Wie in allen Jahren läuft derzeit das Stand-Vergabeverfahren. Dem Bewerbungsschreiben für eine Verkaufsfläche legen die Händler in einem geschlossenen Umschlag ihren Vorschlag für den Mietpreis bei. Es gibt also keine Standardgebühren, sondern die Standvergabe funktioniert wie in einer geheimen Versteigerung. Manche Händler bieten bis zu zehntausend Euro Jahresmiete. Mit solch astronomischem Gebot ist ihnen der Stand dann auch sicher. Besonders günstig ist der Ort am Ende der Treppe, die in den ersten Stock hinaufführt. Dort wartet denn auch der Herr mit dem gezückten Messer, um seine exotischen Fruchtstücke in die Münder von Touristen zu stopfen. Die hohe Miete will erst einmal verdient sein. Und dafür müssen nichtsahnende Urlauber bluten.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.