Jürgen Schmidt und Harald Warschke in der Strandbar von Ponta do Sol
Jürgen Schmidt und Harald Warschke, die Projektmanger aus der Szene

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Bunt gemischt

15. Mai 2011

Alternative strecken Fühler aus

um - Ausgerechnet auf Madeira soll ein Künstlerdorf entstehen. Auf einer Insel, wo nahezu alles Banane ist. Bei Künstlerdorf denkt man an klecksende Maler und schräge Musiker, an Spektakel mit Zauberern und Clowns, die lauthals und bahnbrechend auf einmal da sind. Doch nichts davon. Angereist sind zwei seriöse Kultur-Manager aus der Berliner Szene. Lange nicht so konventionell wie ein Joschka Fischer, aber dezent wie Geschäftsreisende auf Sondierungstour. Für die Idee gibt es Pläne im Reisegepäck, Fördermittel stehen in Aussicht. Es gibt sogar schon einen Platz für das Dorf. Wo er liegt? Sinniges Schweigen und bedeutsame Blicke der beiden Szene-Agenten.

Wenn das Dorf steht, steigt ein Festival der Kunst. Auch die Dorfbewohner, alle Künstler der Insel und selbst der Bürgermeister sollen eingeladen werden. „Vielleicht machen international bekannte und einheimische Künstler mit“, hofft Jürgen Schmidt (64). Der Diplom-Ingenieur ist der Motor der Bewegung. So wird er denn auch den Kleinbus steuern, der im Herbst aus Deutschland mit den ersten drei „Dörflern“ gen Madeira aufbricht. ARTLANTICA-EcoVillage heißt das Projekt, Überwintert wird in Jurten. Das sind winterfeste Zelte. Für Wasser und Stromanschluss ist gesorgt, die Sanitäranlagen werden als Humustoilette eingerichtet. Eine Schilfbinsenkläranlage reinigt die Abwasser. „Das ist das Natürlichste, was man sich vorstellen kann“, erläutert Harald Warschke (39). Der Mediator ist der zweite im Bunde. „Überleben in naturnaher Bauweise“ heißt ein Programmpunkt des Künstlerdorfes. Das Programm zielt auf eine immense Bandbreite von Aspekten: Kunst/Kultur, Gesundheit, ökologisches Bauen, Aufforstung und ökologischer Anbau.
Das Projekt klingt verlockend für eine Insel, die geschichtlich immer im konventionellen Tourismus gehobener Qualität verwurzelt war. Madeira hat kaum Badestrände und ist vor allem eine Wanderinsel geworden. Das Vorurteil von der Rentnerinsel stimmt längst nicht mehr. Aber die alternative Szene würde die grüne Atlantikinsel sicherlich ein bisschen bunter machen. Es bleibt abzuwarten, wie die „Autoritäten“ auf das Künstlervolk reagieren. Die Insel wird seit geraumer Zeit von einer Machtclique beherrscht, die ausschließlich an wirtschaftlichem Gewinn interessiert ist. Mit Nachdruck wurden die Surfer aus Jardim do Mar – dem europäischen Surferparadies - weg geekelt. Ein Künstlerdorf mit Spontis und Alternativen, wird den „Autoritäten“ der Insel wenig schmecken. Und die einfachen Bauern in der Nachbarschaft werden den „Spuk“ misstrauisch beäugen. Es ist Vertrauensbildung, Verhandlungsgeschick und Durchhaltevermögen notwendig, damit das Künstlerdorf auf Madeira entstehen und überleben kann. Jürgen Schmidt und Harald Warschke haben von all dem reichlich, wie sie zu verstehen geben. Im Herbst sollen die ersten Zelte des ARTLANTICA-EcoVillage aufgebaut werden.

Weitere Informationen: www.artlantica.net

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