Autos und Segelyacht wirken klein vor dem großen Kreuzfahrtschiff im Hafen von Funchal
Die riesigen Kreuzfahrtschiffe benötigen viel Platz im Hafen

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Schon zu klein

4. Mai 2011

Madeiras neuer Hafen platzt aus den Nähten

um - „Containerkähne raus, Kreuzfahrtschiffe rein!“ hieß die Devise für den Umbau von Funchals Hafen. Nach der Einweihung des neu gestalteten Beckenrandes im vergangenen Frühjahr erwies sich die Devise als goldrichtig. Der für den Kreuzfahrttourismus dazu gewonnene Platz wurde bestens ausgeschöpft. Fast eine halbe Million Passagiere landeten 2010 in Funchal an. Nahezu sechzigtausend mehr als im Jahr zuvor. Was jedoch niemand vorhersah: Kreuzfahrten boomen ohne Ende, der Markt expandiert sprunghaft. Der Hafenkommandant von Funchal musste gar für das laufende Jahr schon einigen Kreuzfahrtschiffen die Einfahrt verwehren. Für die vielen „Pötte“ gibt es einfach keine freien Docks mehr zum Anlegen.

Im April 2011 verzeichnete der Hafen von Funchal zwei Besucherrekorde. Der erste ging ziemlich daneben. Da entluden sich Anfang des Monats fast gleichzeitig drei „Schwimmende Hotels“ mit mehr als siebentausend Passagieren. Rolltreppen verstopften, Fahrstühle streikten, es kam zu langen Warteschlangen bei der Abfertigung. Der Hoteldirektor eines der Meeresriesen äußerte seinen Unmut bei der Hafendirektion. Beim zweiten Anlauf Ende April lief alles dann wie geschmiert. Da wurden sogar an ein und demselben Tag zehntausend Menschen im Hafen durchgeschleust. Mehr als siebzig Busse standen bereit, die knapp sechstausend Passagiere über die Insel kutschierten. Hunderte von Taxis fuhren in die Hauptstadt oder zu nahe gelegenen Sehenswürdigkeiten. Mit diesem Besucherrekord ist aber nicht nur die Personenabfertigungs- kapazität der neuen Hafenanlage ausgereizt. Auch die Schiffsanlegestellen im Hafenbecken sind inzwischen knapp bemessen. Schon zehn Mal musste der Hafenkommandant im laufenden Jahr „nein“ sagen, weil er nicht mehr weiß, wohin mit all den Pötten. Damit verliert Madeira siebzehntausend Tagestouristen oder, anders ausgedrückt, eine Million Euro, die diese Urlauber nämlich bei ihrer Stippvisite auf der Insel ausgeben würden. Außerdem gehen der Hafenverwaltung sechzigtausend Euro an Liegegebühren durch die Lappen. Das sind tragische Verluste für eine Insel, die wirtschaftlich auf dem letzten Loch pfeift.

Der Kreuzfahrttourismus verzeichnet einen steilen Aufstieg auch in Madeira. Gemessen am Jahr 2000 betraten 2010 nahezu doppelt so viele Kreuzfahrer madeirensischen Boden, und die Zahl der einlaufenden Schiffe war um ein Drittel höher. Natürlich will Madeira weiter mitspielen. In der Diskussion steht die Schaffung neuer Docks an der Meerespromenade. Sowohl der Stadtrat Funchals als auch eine Bürgerinitiative leisten Widerstand gegen diesen Plan, der die Uferzone zum Wirtschaftsfaktor erhebt. Auch navigatorische Bedenken werden vorgetragen. Bei bewegter See müsse der Hafeneingang gesperrt werden, weil die Anlegestellen meerwärts und landwärts so nahe beieinander lägen, dass Karambolagen nicht auszuschließen wären. Stimmte dieses Argument, könnte der Hafen von Madeira im Falle einer nochmaligen Erweiterung dazu gewonnene Docks bei aufgewühlter See im Handumdrehen wieder verlieren. Die Inselregierung richtet nun ein Internetforum ein, auf dem Für und Wider den neuerlichen Hafenausbau gestritten wird. Wahrscheinlich ist, dass die Geldknappheit bei der Entscheidung letztlich mitregieren wird. Woher will die Insel die vierzig Millionen Euro nehmen, die die Schaffung von Zusatzkapazitäten kostete? Brüssel wird als Subventionspartner nicht mehr so spendabel sein wie früher. Die Kommissare der EU beabsichtigen im Gegenteil, Portugal das Sparen beizubringen.

Die Strategien eines effizienten Timing sind noch längst nicht ausgeschöpft. Wenn unter den aktuellen Wachstumsprognosen für 2012 mit ca. 330 Kreuzfahrtschiffen zu rechnen wäre, müsste man mit den Routenplanern verhandeln, dass jeden Tag zwei bis drei Schiffe einlaufen können, zusätzliche Anwärter indes einen Zwischenstopp auf der Nachbarinsel Porto Santo einlegen. Wenn man diesen Vorschlag nun mit einem Nachlass bei den Liegegebühren versüßte, würden sich nicht nur die Bewohner von Porto Santo freuen. Dass die Idee nicht an den Haaren herbeigezogen ist, zeigt der Ausflug des Kreuzfahrtschiffes „Amadea“ nach Porto Santo am 1. Mai. 550 deutsche Passagiere waren begeistert, die kleine Insel mit dem Goldstrand kennenzulernen.

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