Oberhalb der Viehweiden erhebt sich ein Urwald aus Lorbeergewächsen
Ursprünglicher Lorbeerwald begrenzt das Tal
Das Restaurant ist in hölzernen Blockhütten untergebracht
Das Ausflugslokal Laurissilva im einsamen Tal von Chão da Ribeira

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Einsames, weites Tal im Norden

22. März 2011

An Chão da Ribeira fährt man leicht vorbei

sts - Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen....so fühlt man sich, wenn man nach abenteuerlicher Fahrt im Weiler Chão da Ribeira ankommt. Von Seixal an der Nordseite der Insel aus führen zwei Straßen in südlicher Richtung steil den Berg hinauf. Oben angekommen, scheint man in einem anderen Land zu sein – in einem Hochgebirgstal in den Alpen etwa. Nur die Bäume an den steilen Berghängen holen einen auf die Urlaubsinsel zurück: es sind Lorbeerbäume, dichte, ursprüngliche Wälder mit nur wenigen Wegen.

Das Dorf wirkt auch wegen der vielen Palheiros ein bisschen märchenhaft – die landwirtschaftlich genutzten winzigen Häuser könnten Zwergen als Behausung dienen. Die meisten Palheiros sind verfallen – die Landwirtschaft war hier in früheren Jahrzehnten offensichtlich von größerer Bedeutung. Einige wenige neuere Bauten entlang der Straße entpuppen sich als Wochenendhäuser reicher Madeirenser – und dann finden sich doch auch noch ein paar Wohnhäuser, die das ganze Jahr über bewohnt werden. Die touristische Infrastruktur besteht aus zwei Gasthäusern. Zuerst fährt man am „Pasto Juliano“ vorbei, die Bar ist auch im Winter geöffnet, eine große Terrasse und ein überdachter Biergarten zeigen, dass es in den Sommermonaten schon einmal voll werden kann in der Einsamkeit. Das rustikale Gasthaus ist für seine Forellen und auch für die typische Espetada bei Einheimischen beliebt. Am Ende der Asphaltstraße geht es dann auf einem Schotterweg weiter – noch etwa fünfzig Meter bis zum Parkplatz des Ausflugslokals „Laurissilva“. Einige Holzhäuser beherbergen Bar, Restaurant und Küche. Ein Spielplatz mit Schaukeln, Seilen und Kletter- Häuschen im Wald erfreut Kinder. Der Waldlehrpfad ist inzwischen ungepflegt, die Schilder an den Bäumen nicht mehr lesbar. Dennoch hat das „Laurissilva“ einen ganz besonderen Charme. Im Winter ist der Service absolut persönlich – von der Auswahl des Sitzplatzes: direkt am Holzkohlenfeuer ist es wärmer als im Restaurant! - bis hin zur Wahl der Speisen. Auch hier köstliche Forellen aus der Zucht nur wenige Meter hinter der Anlage, Fleischgerichte und einfache Suppen.
Die Forellenzucht ist nicht öffentlich zugänglich. Vom Zaun aus beobachtet man die größten Exemplare in einem der Zuchtbecken. Für ihr Futter brauchen sie sich nicht anzustrengen: es kommt von oben, vom Beckenrand. „Trutas a venda“ - Forellen zu verkaufen – steht auf dem Schild am Eingang, montags bis donnerstags vormittags und am Freitag Nachmittag. Doch darunter ein weiteres Schild „Privatbesitz – Vorsicht vor dem Hund“. Bewegungsgesteuerte Scheinwerfer auf dem Gelände und die Videokameras sind wenig einladend. Offenbar gibt es auch Kunden außerhalb der Geschäftszeiten, die den Fischbestand schmälern. Das Problem des Ferienhausurlaubers, der seine Forelle bezahlen will bevor er sie auf den Grill legt, ist jedoch: Wie komme ich hinein? Denn als wir zur angeschlagenen Öffnungszeit am Portal stehen, macht niemand Anstalten, uns einzulassen.

Auf einen Spaziergang durch dieses wunderschöne, stille Tal sollte man nicht verzichten. Autos und Menschen kann man zählen, die Stille wird durchbrochen vom Murmeln des Baches und von den weidenden Kühen und Ziegen. Bis zum Ende des Weges schlendert man bequem. Über einen steilen Wanderweg können Ambitionierte angeblich in nur 90 Minuten den Berg Fanal am Nordhang des Paul da Serra erreichen. Die Blicke auf den wilden Lorbeerwald und die fast senkrechten Bergwände mit unzähligen Wasserfällen brennen sich ins Gedächtnis ein.

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