Weiter Blick übers Meer an einem Pinienhain
Porto Santo: Aussichtspunkt Pico das Flores

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Porto Santo profitiert von den Tumulten in der arabischen Welt

27. Februar 2011

Die totgesagte Insel lebt plötzlich wieder auf

um - Es rumort in der islamischen Hemisphäre. Die preiswerten Ferienparadiese Ägypten und Tunesien werden darum unattraktiv. Alternative Ziele ziehen am Horizont auf. Eins davon heißt Porto Santo.

Kaum zu glauben. Da hiess es vor wenigen Wochen in der Madeira-Zeitung: „Porto Santo ist wie ein Kurort aus dem 19. Jahrhundert.“ Urplötzlich wendet sich das Blatt. Der kleinen Atlantik-Insel steht ein heißes Frühjahr bevor, weil Touristenströme umgeleitet werden müssen. Porto Santo bietet fast alles, was Ägypten- und Tunesien-Urlauber suchen: Strand, Sonne, Meer, Schnorchel- und Tauchmöglichkeiten. Auch gibt es einen Golfplatz. Vor allem bietet Porto Santo, was Veranstalter dringend suchen: Leerstehende Hotels, die man nach Belieben auffüllen kann.

Die TUI Belgien ist sicherlich nicht die letzte Veranstalterin, die Porto Santo ins Visier nimmt. Direktflüge von Brüssel sind seit kurzem für den Benelux-Raum geschaltet. Vorher reservierte ein Veranstalter aus Warschau die lange Landebahn des kleinen Eilandes für sich. Die Engländer fallen mit dem Veranstalter Thomson von Gatwick aus ein, und die Mailänder, die Porto Santo den Rücken gekehrt hatten, erwägen zurückzukommen. Porto Santo als Full House?

Die Hoteliers reiben sich die Hände und stellen in Windeseile auf all-inclusive um. So wie die Gäste es für Ägypten und Tunesien gebucht hatten, so soll es nun mitten im Atlantik werden. Natürlich wird es Pannen geben, weil die einschlägige Erfahrung fehlt. Dafür gibt es keine Attentats-Ängste zu besänftigen. Und keine Geheimpolizei observiert touristisch interessante Orte dezent und unauffällig. Sicherlich fehlen Pyramiden und Kamele. Ganz Porto Santo kann nur eine einzige Disco aufweisen und auch nur ein einziges arabisches Restaurant. Die eilig eingeflogenen Animationsteams werden schlecht sein wie in allen Club-Hotels.

Die Stille wird nicht mehr da sein, die Einförmigkeit des Lebens, des Rauschens der Wellen am menschenleeren Strand. Stattdessen werden lärmende Touristen die Insel auf Trab bringen. Oder auch nicht, denn All-Inclusive bedeutet: Ferien im abgezirkelten Hotelbereich. Ob die Einheimischen deshalb viel vom Boom abbekommen, bleibt bei dieser Konzeption dahingestellt.

Vierzig Millionen Touristen müssen aus Ägypten und Tunesien umgeleitet werden. Porto Santo ist in dieser Massenbewegung nur ein winziges „Auffanglager“. Die Nachbarinsel Madeira ist partiell von dem Trend betroffen. Dreizehn Veranstalter melden neue Direktflüge von fünf Flughäfen in Großbritannien an. Es bleibt abzuwarten, wie sich die beiden portugiesischen Atlantikinseln auf den Zustrom von Feriengästen einlassen, die mit ungewohnten Ansprüchen und Erwartungen ihren Urlaub antreten.

Leserbriefe

yvonne götz 28.04.2011 22:53

Also, schon ein bisschen unverschämt Porto Santo als TOTGESAGTE Insel zu bezeichnen. Ich lebe und arbeite hier seit 2005 und bin gar nicht tot,......
Vielleicht das nächste Mal eine bessere Wortauswahl.

Mfg
aus PXO

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