Geschäftsidee: Supermarkt mit Flair eröffnen

8. Februar 2011

Auf Madeira fehlen Lebensmittel“galerien“ mit Kauferlebnis

um - Farbig, erlesen, ursprünglich – die Markthalle von Funchal entwickelt eine einzigartige Atmosphäre. Das Angebot freilich ist auf Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und Blumen beschränkt. Diese Beschränkung dürfte allerdings nicht der alleinige Grund dafür sein, warum die Markthalle Kundschaft verliert. Gravierender ist, dass sie kein Tiefdeck als Parkraum anbieten kann. Diesen Umstand verzeiht die motorisierte Gesellschaft kaum mehr.

Eins ist klar. Ein Supermarkt ist ein künstliches Produkt. Die Massen von Touristen werden weiterhin die Markthalle bevorzugen. Aber zum Einkaufen gehen sie nicht dorthin. Touristen wollen einmal in den Trubel eintauchen und fotografieren. Die kaufkräftige Kundschaft der Einheimischen hingegen fährt die Supermärkte an.
Die Supermärkte Madeiras stehen in erbittertem Preiskampf untereinander. Sie offerieren in der Regel Produkte guter Qualität zu raisonablen oder gar Dumping-Preisen. Aber es hapert an der Art der Präsentation oder Dekoration. In der Lebensmittelgalerie würden Gemüse und Obst leuchten wie beim Türken. In der Fischabteilung weht einem die Brise vom Atlantik gleich entgegen. Kosmetika locken zum Ausprobieren wie in einer edlen Parfümerie. In Deutschland haben Rewe und Edeka als Erste diese Fehlstelle entdeckt und kreativ besetzt. Auf Madeira geht bislang eine Supermarkt-Filiale in diese Richtung. Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Eine Lebensmittelgalerie mit erlesenem Angebot und geschmackvollem Arrangement könnte die gehobene Kundschaft der Hauptstadt ansprechen. Um erfolgreich zu sein, müsste sie Parkplätze in dreistelliger Zahl vorhalten.
Nicht leicht zu konzipieren, was die Logistik angeht. Der Start verlangt einen gediegenen Finanzeinsatz, und ein gehöriges Maß an einschlägiger Berufserfahrung ist unabdingbar. Außerdem sollte man fließend Portugiesisch sprechen und mit der Mentalität südeuropäischer Angestellter vertraut sein. Ideal ist das Projekt für Kinder portugiesischer Gastarbeiter mit zweisprachigem Hintergrund, die Deutschland den Rücken kehren, die Idee eines Supermarktes mit Flair und die Ersparnisse der Eltern als Familiendarlehen mitnehmen wollen und können.
Das finanzielle Risiko des Engagements wird durch den Umstand gemindert, dass Lidl und Aldi kein Interesse an einer Ansiedlung auf Madeira zeigen. Lidl blitzte vor einigen Jahren ab und konzentriert sich, wie aus der Betriebszentrale verlautet, auf Festlandportugal. Und Aldi ward bislang nicht gesehen. Ein kreativ-qualitätsorientierter Supermarkt brauchte also vorerst keine Konkurrenz aus dem Billig-Sektor zu fürchten.

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