Breiter und langer Sandstrand mit einsamem Jogger
Einsamer Strand auf Porto Santo

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„Heiliger Hafen“ heißt das Paradies

28. Januar 2011

Schön und einsam treibt eine kleine Insel im Atlantik

um - Porto Santo – das heisst „Heiliger Hafen“. Die Nachbarinsel von Madeira versinkt von Ende September bis in den Juni hinein tief im Dornröschenschlaf. Streßflüchtlingen bietet das Eiland darum eine ideale Rückzugsfläche. Die Einheimischen sind trotz herber Wirtschaftslage guter Dinge und den wenigen Fremden gegenüber wohlgesonnen. Wem vor Ruhe und Stille nicht graust, hat das Meer und den weißen Sand, die grünen Berge und die Dünenlandschaft fast ganz für sich.

Aus dem Dornröschenschlaf sollte Porto Santo oft schon wachgeküßt werden. Doch große Pläne sind geplatzt. Am offenkundigsten ist das Scheitern des enormen Bauprojekts am Strand. Eine Klagegemeinschaft von britischen Bürgern, die Hunderttausende von Pfund für versprochene Luxus-Apartments angezahlt hatten, streitet mit schlechten Karten um verlorenes Geld. Auch aus dem Luxus-Hotel von Fußballstar Ronaldo wird wohl nichts. Vor Baubeginn scheint der Plan gekippt worden zu sein. Der Tourismus auf Porto Santo ist eingebrochen. Die Fährverbindung weist drastische Einbussen bei der Besucherzahl auf. Die Direktflüge aus Mailand und England sind eingestellt. Ein Silberstreif am Horizont sind die angekündigten Direktflüge für den frühen Sommer aus London und Paris. Mit dem Dumping-Angebot von 764,- EUR für Flug ab Gatwick und sieben Tage all-inclusive-Aufenthalt versucht das 5-Sterne-Hotel Pestana Porto Santo, seine permanente Unterbelegung zu kompensieren. Im Winterhalbjahr bleibt die Nobelherberge wegen mangelnder Nachfrage geschlossen.

Porto Santo ist wie ein Kurort aus dem 19. Jahrhundert. Man atmet am Strand die frische Brise, geht immer wieder dieselben Wege, sieht dieselben Menschen und wird durch nichts herausgerissen aus der Gleichförmigkeit des Meeresrauschens, dem Piepsen und Pfeifen der Zugvögel, die im Winter den Strand besiedeln. Miss Claudia führt ein großes Souvenirgeschäft bei der Tourist-Information um die Ecke. Sie ist in Toronto, Kanada, als Tochter von Emigranten aus Porto Santo aufgewachsen. Die kanadische Großstädterin fürchtet sich vor der Einsamkeit ihres zweiten Winters in der Heimat ihrer Eltern. „Nur die drei Sommermonate Hochbetrieb liebe ich. Dann machen die Madeirenser hier Urlaub und es ist alles voller Menschen. Aber sonst herrscht völlige Leere“, klagt die junge Frau in breitem Amerikanisch. Die Menschen auf Porto Santo sind liebenswürdig. Sie lächeln oft und haben keine Eile. Geld haben sie auch nicht viel. Vielleicht steht das in einem Zusammenhang?

Wie könnten die Einheimischen den Einbruch im Tourismus meistern? In einem Zeitungskommentar hieß es: „Viele aus Madeira und nicht nur von da, können bestätigen, wann immer einer nach Porto Santo rüberfuhr, der musste was mitbringen. Und zwar Wassermelonen, Weintrauben, Honigmelonen, Tomaten......bitte, bitte, bitte.“ Tatsächlich war die kleine Insel früher groß in der Landwirtschaft. Und nirgends schmeckten die Tomaten besser. Der Kommentator rät: Kehrt zurück und bestellt Eure Felder. Leben kann man wahrlich von den Früchten der Erde, aber schaffen es die Bewohner der Insel, wieder die Ärmel hochzukrempeln?

Urlauber, die Porto Santo zur Erholung wählen, werden in der Regel sonnengestärkt und entspannt nach Hause zurückkehren. Die Anreise ist teuer, da man in Madeira zwischenlandet. Fliegt man aber ab Mai mit der portugiesischen Linie TAP samstags von Frankfurt nach Lissabon, kann man dort den einzigen Direktflug am späten Abend nach Porto Santo anschließen. Nach Verlassen des Flughafens hört man sehr bald das Rauschen des Meeres und bei klarer Sicht stehen funkelnde Sterne am Firmament. Ansonsten erwartet den Reisen eine schlafende Insel.

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