Zwei Männerhände liegen aufeinander
Gleichgeschlechtliche Paare können in Portugal heiraten

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Homo-Ehe

14. August 2010

Portugal und Deutschland im Clinch?

Seit Ende Mai 2010 ermöglicht die Republik Portugal die amtliche Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare. Der portugiesische Justizminister ergänzte hierzu Mitte Juli, dass selbst ausländische Paare, in deren Herkunftsländern eine gleichgeschlechtliche Heirat nicht legal ist, in Portugal eine Ehe schließen können.

„Just married“ - ein gleichgeschlechtliches Paar, dass mit solchem Schild im Fond des Autos aus Portugal nach Deutschland zurückkehrt, hat gewiss eine imposante Hochzeitsreise hinter sich. Wenn dann dieses Paar dem heimischen Standesamt seine Heiratsurkunde zum Eintrag vorlegt, stürzt es möglicherweise aus dem Siebten Himmel der Liebe in die Verstrickungen internationalen Rechtsabgleichs.
Die Presseabteilung der deutschen Botschaft von Lissabon betont, dass die Rechtslage keinesfalls geklärt ist. Wahrscheinlich sei aber, dass die Eheschließung eines gleichgeschlechtlichen deutschen oder halb-deutschen Paares vor einem portugiesischen Standesamt von deutschen Standesämtern nicht analog übertragen wird. Der Botschaft in Lissabon sei bislang kein konkreter Fall bekannt. Da jedoch Portugal den frisch Vermählten das Recht auf Adoption eines Kindes vorenthalte, liegt die Vermutung nahe, dass deutsche Standesämter die in Portugal getrauten gleichgeschlechtlichen Paare in der Regel ins Lebenspartnerschafts-Register eintragen werden, da Lebenspartnerschaften im deutschen Recht ebenfalls die Adoptionsmöglichkeit verwehrt wird.

Dazu muss man wissen, dass das deutsche Eherecht keine Sonderklauseln kennt. Anders als nach portugiesischem Rechtsverständnis ist es in Deutschland nicht möglich, gleichgeschlechtlichen Paaren den Status von Eheleuten mit eingeschränkten Rechten zuzubilligen.
Hier erweist sich deutlich der Unterschied der Mentalitäten. Während deutsches Rechtsverständnis auf Klarheit ohne Ausnahmen zielt, läßt das portugiesisches Rechtsverständnis unterschiedliche Deutungen des Begriffs „Ehe“ zu. Ein Hintertürchen für „Hochzeitstouristen“ ergibt sich daraus aber nicht.

Wenn nun ein deutsches oder halbdeutsches gleichgeschlechtliches Paar den Traum einer echten Hochzeit auch ohne schwarz-rot-goldene Absegnung in Portugal zelebrieren will, rennt es sich schließlich noch an den Kirchenpforten die Schädel ein. Die katholische Kirche kreischt „Sünde“, und der Deutschen Evangelischen Kirche in Portugal ist per Mutterkirche in Hannover nur eine Segnung homosexueller Partnerschaften erlaubt.

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