Die Levada wird in einem grossen Becken gestaut und weiterverteilt
Oberhalb von Rabaçal

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Die meisten Levadas "gehen wieder"

23. August 2010

Das Unwetter von Madeira verliert seinen Schrecken

Am 20. Februar prasselte Regen ohne Ende auf die Atlantik-Insel nieder. Wassermassen stürzten zu Tale und rissen Felsbrocken, Bäume, Autos, Häuser, auch Menschen mit. Unzählige der für Madeira typischen Wasserkanäle („Levadas“) brachen. Die Bauern, die zur Bewässerung ihrer Ländereien von den Kanälen abhängen, machten sich auf einen trockenen Sommer gefasst, und die Touristen sahen ihre schönen Levada-Wanderrouten verloren. Das war vor einem halben Jahr. Inzwischen heißt es längst bei fast allen Levadas: Wasser marsch!

Insgesamt 350 Arbeiter haben in Sondereinsätzen nach der Naturkatastrophe in allen Ecken der Insel Hand angelegt. Das kostete, laut inoffizieller Regierungsquellen, acht Millionen Euro. Die Reparaturarbeiten gestalteten sich mitunter sehr aufwändig, da die Bruchstellen in der Regel nur zu Fuß zu erreichen sind. Neben der Hauptstadt Funchal wurde das Tal von Tabua, zwischen Ribeira Brava und Ponta do Sol gelegen, besonders stark in Mitleidenschaft genommen. Die Levada Nova, die durch das Tal läuft, ist an zahlreichen Stellen ramponiert, Strommasten sind umgekippt, kleine Brücken weggespült. Mobile Einsatztruppen konnten notdürftig flicken. Oftmals führen Bohlen provisorisch über Bachläufe oder um Stellen herum, die gerade neu zementiert werden. Die Levada Nova ist inzwischen auf ihrer vollen Länge von über 30 km wieder begehbar, auch es noch einzelne Stellen gibt, die offiziell noch nicht wiedereröffnet wurden. Falls irgendwo noch Arbeiter anzutreffen sind, empfiehlt es sich, höflich und freundlich nach dem Weiterkommen zu fragen. In aller Regel wird man ebenso freundlich durchgelassen – und das alles oft ohne gegenseitiges Sprachverständnis.
Geradezu komfortabel ist die Wiederherstellung der Levada do Furado ausgefallen, die schon vor dem Unwetter beschlossen war, aber im Zuge der zahlreichen Levadaarbeiten abgeschlossen wurde. Die Levada do Furado ist eine der gefragtesten Wanderstrecken zwischen Ribeiro Frio und Portela im Nordosten der Insel. Auf vierzehn Kilometern Länge wurde der Wasserkanal in Beton eingefasst und der begleitende Gehweg erhielt an gefährlichen Abhängen sichernde Geländer. „Die Levada-Strecke ist 150 Jahre alt und wird jetzt weitere 150 Jahre halten“, sagte Joao Vieira Cassiano bei der Einweihung. Der Mann ist ein alter Levada-Spezialist, der dreißig Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hat, und bei der Herrichtung der Levada do Furado die Verantwortung trug. Wasserkanalbau war immer eine schwere Arbeit. „Früher“, sagt Cassiano, „trugen die Arbeiter das Material kilometerweit auf den Schultern bis zur Einsatzstelle. Heute benutzen wir Flaschenzüge.“ Aber Schinderei war die Rekonstruktion trotzdem. Allein für diese Arbeit musste die madeirensische Verwaltung mehr als 1,6 Millionen Euro hinblättern. Die Touristen, die nun wieder ausschwärmen können, ergötzen sich an den Aussichten, dem üppigen und vielfachen Grün, den Gerüchen unterwegs. Und die ans sichere Wasser angeschlossenen Bauern - immerhin sind es 600 auf einem Gebiet von bewässerten 50 Hektar Land – sind es auch zufrieden.
Inzwischen sind es nur noch wenige Wanderstrecken, die wegen des Unwetters im Februar nicht begehbar sind. Das ist vor allem der schöne alte Pilgerweg vom Encumeada-Pass zur Boca da Corrida (PR 12). Gesperrt ist auch der Weg in den Folhadal vom Encumeada-Pass aus.
Ein neues Problem hat im August den Wanderern zu schaffen gemacht: Nach dem vielen Wasser war es nun das Feuer. Am 13. August haben die Wälder oberhalb von Funchal gebrannt. Die Flammen haben große Teile des Ökologischen Parkes Funchal vernichtet, und auch die karge Vegetation des Hochgebirges ist völlig verbrannt. Im Moment sind aus Sicherheitsgründen die Wanderungen auf den Pico Ruivo aus allen Himmelsrichtungen gesperrt. Der Pico Grande ist von der Boca da Corrida aus zwar zugänglich, aber für das Wandern über die verbrannte Erde braucht es schon starke Nerven – ein Genuss ist es nicht. Dazu weicht man besser in den Westen oder in den Osten der Insel aus. An der Nordküste, östlich von Machico, und vor allem auf und rund um den Paul da Serra findet der wanderlustige Urlauber Wanderstrecken für jeden Geschmack.

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