Orangefarbener Bus der Ökö-Linie
Kostenlos durch die Innenstadt

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Das Geheimnis der Öko-Linie

7. September 2010

Gratis und abgasfrei kommt sie daher: Aber niemand, weiß, wohin die Linha Eco fährt

Die Madeira-Zeitung schickte ihre Mitarbeiterin Inge Laudenbach los, die Route des Öko-Busses von Funchal zu ergründen. Hier ihr Bericht:

Ein letzter Blick in den Spiegel: kein Make-Up, Fransenfrisur, den Riemen der Handtasche über die Schulter gehängt. Meine Aufmachung als „sanfte“ Touristin nimmt mir die Beraterin in der Touristen-Information ohne weiteres ab. Es ist Samstag. Nach nur drei Minuten Wartezeit sitze ich der Frau gegenüber und frage auf englisch nach den Haltestellen der Öko-Linie. „Die Strecke geht durch die ganze Stadt“, lautet die prompte Antwort. Ob sie einen Streckenplan besitze. „Da müssen Sie zum Laden der Busgesellschaft gehen.“ Auf dem Stadtplan wird der betreffende Ort mit Kugelschreiber eingekreist. „Wann verkehrt die Öko-Linie?“ frage ich noch. „Heute und morgen nicht.“
Als ich auf die Straße trete, fährt ein Bus der Linha Eco direkt an meiner Nase vorüber. Mein Fazit nicht nur auf Grund dieser Beratung: Die Touristen-Information auf Madeira kann man sich schenken.

An der Meerespromenade unterhält die Gesellschaft der gelben Busse von Funchal einen grünen Kiosk. Ein junges Gesicht lächelt mich an. „Fahrplan der Öko-Linie? Nein, den habe ich nicht.“ Ist ja irgendwie logisch. Die Frau verkauft Tickets. Wie kann sie über einen Bus Bescheid geben, für den es keine Tickets braucht? Muss ich also doch zum Laden der Gesellschaft, quer durch die Stadt. Zwei gesetzte Herren und eine jüngere Dame schenken mir, auf drei Schalter verteilt, ihre Aufmerksamkeit. Einen Fahrplan haben sie nicht. Auch hier regiert die Logik. Der Bus fängt morgens gegen 8 Uhr an zu zirkulieren, bis um 7 Uhr abends. Das sind die einzigen festen Zeiten der Route. Ansonsten geht er immer im Kreis rum. Wie soll man da einen Fahrplan erstellen? Wo der Bus im einzelnen hält, ist Spekulation der drei Bediensteten. Öko finden die meisten Madeirenser spinnert. Aber der Bürgermeister von Funchal hat halt nen Tick. Die Frau greift zum Telefon. Der Kollege am anderen Ende der Strippe weiß so ungefähr, wie der Hase läuft. Sonntags läuft er gar nicht und samstags nur bis 14 Uhr. Vor der Tür versuche ich, die mir genannten Stationen der Öko-Route in den Stadtplan einzuzeichnen. Zumindest in einer Ecke fährt der Bus Zick-Zack, glaubte man der offiziösen Auskunft. Doch nun kenne ich vier markante Haltestellen: Den Markt, den Rathausplatz, das neue Einkaufszentrum Dolce Vita mit der Handwerksgasse Rua da Carreira und die zentrale Straße Avenida Arriaga, auf der die Touristen-Information zu finden ist. Da der Laden der Busgesellschaft in der Nähe des Marktes liegt, entschließe ich mich, die Route des Öko-Busses selbst zu ergründen. Bushaltestelle heißt „paragem“, die Gesellschaft der gelben Funchal-Busse heißt „Horarios de Funchal“. Schnell ist unterhalb der Markthalle die Haltestelle gefunden. Nach kurzer Wartezeit fährt der Elektrobus vor. Ich steige ein zu einer wunderschönen, unentgeltlichen Stadtrundfahrt. Eine Magical Mystery Tour, die - obwohl sie durch Funchal führt – weitgehend unbekannt ist.

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