Oberkörper einer Schaufensterpuppe mit BH
Eifersucht treibt manchmal seltsame Blüten

Druckansicht

Waffen der Eifersucht

17. September 2010

Mit Chemie und High Tech auf Spurensuche

Ob verliebt, verlobt, verheiratet – Portugiesen sind fast immer eifersüchtig. Da werden Autos „versteckt“, damit der Partner sein vermeintliches Rendezvous verpasst. Da werden sämtliche auf dem Handy des Freundes gespeicherten Rufnummern angewählt, um eine heimliche Geliebte zu erwischen. Da sitzt ein Mann während der Betriebsfeier seiner Verlobten im Auto vor dem Restaurant Wache, um die Herzdame zu ertappen, falls sie mal kurz mit einem anderen verschwindet. Die Tageszeitung „Diario de Notícias“ kam jüngst damit heraus, dass eifersüchtige Portugiesen nichts unversucht lassen, den Partner oder die Partnerin zu überführen – klassisch analog und neuerdings auch digital.

„Es brachten regelmäßig Ehemänner benutzte Slips ihrer Frauen vorbei“, bekennt Francisco Corte Real, Chef eines gerichtsmedizinischen Instituts in Coimbra. „Die Wäschestücke sollten wir auf Samenspuren anderer Männer hin untersuchen. Wir haben das abgelehnt, sofern nicht die Ehefrau dem Ansinnen zustimmte. Das war aber selten der Fall.“ Laut Diario de Noticias nehmen nun eifersüchtige Personen die Ermittlungen selbst in die Hand. Übers Internet bestellen sie zum Beispiel ein „Kit“ zum Preis von EUR 66,-. Dieser moderne Detektor ermöglicht,in Wäsche (Unterbekleidung, Pyjama, Taschentuch) oder anderen Materialien Reste von Körperflüssigkeit zu identifizieren, die von sexuellen Kontakten mit männlichen oder weiblichen Personen herrühren. Das „Kit“ ist in der Lage, bis zu zehn mögliche Beweisstücke zu analysieren. Eifersucht hat ihren Preis. Wer sich betrogen glaubt, ist offenbar auch finanziell bereit, in den sauren Apfel zu beißen. 379,- kostet im Internet ein „cybernautisches“ Gerät, so die Tageszeitung, mit dem ein eifersüchtiger Partner der vermutlichen Fremdgängerin beziehungsweise dem Fremdgänger digital auf die Schliche kommt. Der „Spy-GPS“ verfolgt diskret und angeblich legal den Laufweg und ermittelt den Aufenthaltsort des Partners und ermöglicht sogar, seine oder ihre Gespräche mitzuhören. Leider teilt die renommierte Tageszeitung nicht mit, wie der „Spy-GPS“ funktioniert. Bei einem konventionellen GPS dürfte es mit der Legalität des Einsatzes auch in Portugal nicht weit her sein. Mit dem Kauf erwirbt man einen Chip, der Funkkontakt hält. Diesen Chip muss der eifersüchtige Partner jeden Morgen unauffällig an der Kleidung des oder der Untreuen anbringen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, aber die Liebe kennt keine Grenzen, und irgendwo in der Kleidung wird es schon einen sicheren Ort geben für den Spy-GPS. Der Rest – Abhören, Ermitteln und Überführen – geschieht einerseits am Computer. Es ist freilich nicht auszuschließen, dass andererseits bei dem Akt, den der Spy-GPS signalisieren soll, sich die heimlich Liebenden voller Leidenschaft die Kleider vom Leib reißen, der Chip dabei zerdrückt, zerschlagen zertreten oder wie auch immer beschädigt wird und der Funkkontakt darum abreißt.
Eifersucht macht einsam. In solchem Fall besonders.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.