Personalausweis, Pass und Residencia
Die Zahl der Einwanderer auf Madeira bleibt konstant

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Hin & Weg

7. Oktober 2010

Viele kommen, aber kaum einer bleibt

Gut sieben Tausend legale Fremde zählt die madeirensische Ausländerbehörde, konstant seit zwei Jahren. Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung des Eilandes sind das drei Prozent. Eine Unterwanderung oder Überfremdung steht bei solch niedriger Quote nicht zu befürchten.

In einem Ort kommt es freilich zur „Ghettobildung“. In Caniço de Baixo haben sich Deutsche und Österreicher zusammengerottet. In der zwischen Flughafen und Hauptstadt gelegenen Bucht wird deutscher Kaffee serviert, reden die Kellner ältere Damen höflichst mit „Fräulein“ an, fließt das Bier in Strömen. Da sind keine Armutsflüchtlinge gestrandet, eher Betuchte mit Pensionsanspruch.

429 Residenten zählt insgesamt die deutsche Gemeinde auf Madeira. Sie ist damit doppelt so groß wie das legale chinesische Kontingent. Längst aber sind die Deutschen von der schnell wachsenden Gruppe der Ukrainer überholt. Einwanderer, die auf Madeira bessere wirtschaftliche, Lebensbedingungen als daheim finden, machen den größten Teil der Immigrantenschar aus. Brasilianer liegen mit 1300 Residenten an der Spitze. Mirgranten aus dem geographisch weit gefächertem Osten strömen nach: Ukrainer (682), Rumänen (382), Chinesen (212) und Moldawier (187). Die Chinesen werden als Ladeninhaber mit Billigwaren von madeirensischen Kaufleuten teilweise harsch bekämpft. Bürger aus den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten gelten als solide und billige Arbeitskräfte und behaupten sich gut auf dem engen madeirensischen Arbeitsmarkt.

Die britischen Residenten behaupten hinter den Brasilianern den zweiten Rang (912), gefolgt von venezuelanischen Aussiedlern (732). Meist sind dies Menschen, die in jungen Jahren Madeira verließen, ihr Leben lang in Venezuela gearbeitet und dann im Laufe der Jahre die venezuelanische Staatsangehörigkeit angenommen haben, dann aber im Alter in die Heimat zurückkehren.

Madeira ist mit seiner konstanten Zahl von 7100 registrierten Einwanderern ein homogenes Volksidyll. So fühlen es die Einheimischen und verdrängen die geschichtliche Tatsache, dass sie aus Portugiesen, Arabern, Kanarischen Ureinwohnern, Flamen, Italienern und Engländern zusammengewachsen sind.

Faktisch ist Madeira seit Jahren eher als Emigranteninsel anzusehen. Viele junge Leute gehen auf die Kanalinseln oder nach Frankreich und in die Schweiz zum Arbeiten. Die Einwohnerzahl wird im Jahre 2011 neu berechnet. Sie dürfte nunmehr unter 240 Tausend – der Wert der letzten Zählung – liegen.

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