Espada-Fisch auf dem Eis im Markt, spitze Zähne
Freundlich sieht er nicht aus, der Espada

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Tiefseemonster wird knapp

31. Oktober 2010

Madeira kämpft an vielen Fronten

Die Hauptfront liegt über dem Meeresgrund. Da greifen die madeirensischen Fischer den Espada auf. Der „Schwarze Degenfisch“ ist ein (kleines) Tiefeseemonster. Seine Haut, die vermutlich während seines Lebens bunt schillert, verfärbt sich schwarz verfärbt, wenn er beim Fang aus über tausend Meter Tiefe nach oben gezogen wird. Auch das kräftige Gebiss und die großen Augen lassen den Espada unheimlich aussehen. Das schreckte in der Vergangenheit freilich die Einheimischen nicht ab, die den Fisch wohlfeil direkt an ihrer Haustür beim Fischhändler kauften. Heute gilt der Espada als Spezialität der regionalen Küche. Er ist teurer geworden – besonders in den letzten Jahren – weil Knappheit herrscht in Madeiras Gewässern. Gelegentlich müssen Schiffsladungen von den Azoren den Fehlbedarf ausgleichen.

Beim Debattieren über den Grund der Ertragseinbuße entstehen zwei zusätzliche Fronten.

Die eine Front ist aufgebauscht und stellt sich wie folgt dar. Die Europäische Kommission will den Fischbestand sichern. Deshalb sieht sie unter anderem eine Beschränkung der Tiefseefischerei vor. Madeira soll nur noch 3643 Tonnen Espada pro Jahr fangen dürfen. Das ist eine Reduktion von rund 650 Tonnen. „Wir sind (an der Überfischung des Meeres) nicht schuld. Es ist ungerecht, wenn wir dafür die Folgen tragen sollen“, klagt der Inseldezernent für Umwelt und Natur. Er fordert den Landwirtschaftsminister der portugiesischen Regierung auf, gegen die Festsetzung aus Brüssel zu protestieren. Tatsächlich ist das Wehgeschrei der Madeirenser bloß ein Theater. Denn im vergangenen Jahr brachten madeirensische Fischer ohnehin nur noch 2413 Tonnen Espada an Land, lagen also weit unter dem neuen Limit aus Brüssel. Auch wenn 2009 ein schlechtes Fang-Jahr war, überschreitet die mittlere Fangquote nicht die Drei-Tausend-Tonnen-Marke.

Die andere Front klingt substanzieller. Für den Einbruch der Fangquote von etwa dreißig Prozent macht Madeira Irland und Schottland verantwortlich. Der Espada sei ein wandernder Fisch und werde in jungen Jahren industriell vor der Küste Irlands und Schottlands abgefischt. Die madeirensischen Fischer, die den Espada in traditioneller Weise an Leinen fangen, die hunderte von Metern lang sind, seien die Leidtragenden der intensiveren Fischerei anderer Nationen. Dem Ungleichgewicht müsse Rechnung getragen werden, verlangt Madeiras in Regierung. Und vertraut darauf, dass sie in Brüssel offene Ohren findet.

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