Junge Frau erwartet Besucher am Eingang
Freundliche Begrüßung am Eingang der Galerie

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Zeitgenössische Kunst neben Zoo und Kirche

23. Dezember 2010

Die Galerie von Prazeres oder Der Geist weht, wo er will

Portugals katholische Kirche steht allen Neuerungen skeptisch gegenüber. Da nimmt es Wunder, wie ein Dorfpfarrer aus dem erzkonservativen Reglement ausbricht und eine quicklebendige Gemeindearbeit hinlegt. Es begann mit vietnamesischen Wildschweinen und dem Vogel Strauß aus Australien. Später ist die Kunstgalerie dazugekommen, garniert mit einem geschmackvollen kleinen Café. Wahrlich, die Gemeinde von Prazeres ist einen Besuch wert.

Der Zoo (siehe Stichwort „Quinta Pedagogica“ in der Madeira-Zeitung) riecht genauso intensiv wie der Weihrauch in der Kirche, die man rechts liegen lässt um in die Kunstgalerie zu gelangen. Im hinteren Ausstellungsraum hängt eine nackte Frau an der Wand. Abstrakt dargestellt, keineswegs obszön oder verführerisch. So etwas lässt der Bischof durchgehen, schlug doch die Zentralgewalt bislang nur zu, wenn ein Pfarrer politisch aus der Reihe tanzte. Der Gemeindepfarrer von Prazeres hat als Kooperationspartner für seine Galerie das Kunstmuseum von Calheta gewonnen. Damit hat ei eine imposante Macht im Rücken – und ständig wechselnde Leihgaben. Mitgliedern einer Landgemeinde fällt es gewiss leichter, die beiden alten Bauernhäuser aufzusuchen, in denen die Galerie untergebracht ist, als das monströse Museum von Calheta zu betreten. So bringt der Pfarrer die moderne Kunst ins Dorf. Die Ausstellungen haben zwar nichts mit Kirche zu tun, aber voll mit dem Leben. Allein die Beleuchtung in den renovierten Altbauten verstärkt den Wahrnehmungs-Affekt, da die Halogen-Leuchten - anders als in hohen und großen Museumssälen aus nächster Nähe ihr Licht wie einen Spot auf das Kunstobjekt werfen. Dabei wird Distanz aufgehoben. Wie ebenfalls durch emotional gefärbte Kommentare besuchsbegleitender junger Leute, die – hätten sie eine Ausbildung – Museumspädagogen hießen. Das lichte Café nebenan gibt Gelegenheit zum Gedankenaustausch oder aber zum Erzählen der neuesten Tratsch-Geschichten aus der Gemeinde. Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist die Kunstgalerie Prazeres Dienstag – Sonntag von 10h00 bis 18h00 mit täglich zwei Stunden Mittagspause von 12h00 – 14h00.

Leserbriefe

Karl Harpfinger 11.11.2012 12:10

Ein interessanter Artikel.
Grüße aus München

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