zwei Kirchtürme der Kirche Santo Antonio
Santo Antonio in Funchal, die Heimat Ronaldos

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Deutschland sucht den Superstar

22. Mai 2010

Madeira hat ihn. Ronaldo....

Ballack fehlt – ohne Frage. Der Bundestrainer beschwört die „Bündelung der Kräfte“. Doch reicht das hin?
Irgendwie wirkt Joachim Löw nach dem Verlust des Kapitäns angeschlagen. Und das schon vor Anpfiff der WM.

Fußball ist immer auch Geld. Und Geld ist Politik. Da reißt sich Bundeskanzlerin Merkel ein Bein aus, den Euro zu retten, während die Heimmannschaft der Retterin drastisch eingeknickt ist. Hält man dann die „klammen“ Eurostaaten daneben, so strotzt es nur so vor Kraft. Berlusconis Italien reist als Weltmeister an. Die wirtschaftlich angeschlagenen Spanier kommen als Europameister und über den Griechen schwebt immer noch der Glanz von 2004. Portugal überspielt seine wirtschaftliche Talfahrt mit Ronaldo. Der Dribbelkünstler wirkt wie ein neuer Baron von Münchhausen auf der Kanonenkugel. Mit Ronald vergisst Portugal seinen Ruin und singt: „Früher gehörte uns die Welt und heute der Fußball.“ Ronaldos Heimat Madeira ist mit einem Schuldenbetrag von fünf Milliarden Euro quasi pleite, und der Bevölkerung stehen schlechte Zeiten bevor. Da steigt im Volksbewußtsein Ronaldo wie eine Retterfigur empor. Der Fußballstar stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Für Madeiras Mütter ist er „unser Junge“. Die Männer beneiden ihn für sein Können auf dem Rasen und im Bett. Fast jeden Monat hat der „Bengel“ ein neues Top-Modell als Geliebte. Außerdem hat er Geld wie Heu. Wer möchte da nicht mit ihm tauschen? Die ganze Volksseele Madeiras ist erfüllt von ihrem Goldjungen. Wenn da nur nicht dieser Messi wäre. Der Argentinier hat mit Barcelona die spanische Meisterschaft geholt, während Ronaldo mit Real Madrid nur zweiter wurde. Messi ist ein Zwerg, der wie Oskar früh aufhörte zu wachsen, dabei nicht auf die Pauke haut, und wuchtig trifft. Für die Ballkünstler aus Europas Südgürtel wäre es ein Desaster, wenn Argentinien mit dem neuen Superstar das Rennen machte und am Ende nur die nüchterne Nachricht stünde, dass Angela Merkel die Zeche für den Traumtanz Portugals, Spaniens, Italiens und Griechenlands zu zahlen hat.
Joachim Löw hilft das überhaupt nicht. Nach dem Ausfall seines Kapitäns steht er einsam da. Der Bundestrainer, der dem Sänger Brian Ferry von Roxy Music gleicht, strahlt etwas von der Fragilität, der Zartheit des Sounds der Band aus. Mit exzentrischen Superstars käme Löw sicher nicht zurecht. So einer ist Ballack auch nicht, der nun fehlt. Aber ein eher zartbesaiteter Mann, wie die Physiognomie des Bundestrainers es verrät, ist vielleicht in der Lage, den Wegfall eines Starken mit Hilfe der Entwicklung von Teamgeist der Übrigen zu verkraften.

Synergien zu schaffen scheint auch die Fähigkeit der Bundeskanzlerin zu sein. Die Deutschen setzen offenbar in dieser historischen Stunde auf Zusammenhalt. Nach der WM wissen wir, ob das zumindest auf dem Fußballfeld klappt.

Leserbriefe

tenolo 24.09.2010 16:25

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