Der neue Wanderweg beim Fanal führt durch Baumheide und über Wiesen
Der neue Wanderweg beim Fanal führt durch Baumheide und über Wiesen

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Der Osterspaziergang

4. April 2010

Bei sonnigem Wetter durch den Lorbeerwald

Ostereier suchen? Das macht auf Madeira überall Spaß und die üppige Vegetation bietet zahllose Verstecke. Der jüngst eingeweihte Wanderweg zum Fanal, noch wenigen bekannt und in wenigen Wanderführern beschrieben, ist ein besonders attraktives Ziel für den Osterspaziergang auf Madeira.

Der Weg beginnt auf der Hochebene Paul da Serra, bei „Assobiadouros“ (=Gepfeife) auf 1430 Meter über dem Meer. Man erreicht den Einstieg über die Straßen-Kreuzung in der Mitte der Hochebene: westlich geht es nach Rabaçal, östlich zur Bica da Cana und zum Encumeadapass, von Süden kommt die Straße aus Ponta do Sol. Man halte sich Richtung Norden nach Ribeira da Janela, Fanal und Porto Moniz. Kaum hat man die karge Hochebene über einen Bergsattel verlassen, steht schon linker Hand eine große hölzerne Orientierungstafel, die den Weg „Vereda do Fanal“ mit der Nummer PR 13 beschreibt. Der Weg ist 10,8 km lang und führt bis zum Fanal, 300 Höhenmeter tiefer gelegen. Über weiche Wiesen- und Erdwege wandert man durch den Lorbeerwald. Aussichtspunkte geben den Blick frei in das grüne Tal des Baches Ribeira da Janela, der oberhalb von Rabaçal beginnt und kurz vor Porto Moniz in den Ozean mündet. Wer die Grüntöne zu zählen versucht, wird das Wanderziel vermutlich nicht erreichen – und das wäre schade! Der mit Holzschildern bezeichnete Weg kreuzt insgesamt viermal die Straße ER 209, darüberhinaus gibt es zwei „Stichwege“, sodass man bei Bedarf auch abkürzen kann. Die Orientierungstafeln erleichtern einem die Auswahl des Anfangs-und Endpunktes, und den Mietwagen kann man fast überall am Straßenrand parken. Auf dem letzten Abschnitt vor Erreichen des Berges Fanal, erreicht man den Ort namens „Fio“ (Faden). Hier steht der alte Lastenaufzug für Brennholz vom Fanal hinunter an die Küste. Am Fanal selbst warten uralte, knorrige Lorbeerbäume (Stinklorbeer, ocotea foetens) auf den Wanderer. Vom Wind gebeugt halten sie seit hunderten von Jahren dem Wetter stand. Lange weiße Flechten hängen von ihren Ästen und sammeln das Wasser aus den Wolken, die häufig aus dem Nichts einfallen. Das ist auch die einzige Gefahr auf diesem bequemen Wanderweg: das Wetter wechselt schnell, innerhalb der Wolken kann es völlig neblig mit Sichtweiten von wenigen Metern werden. Darum sollten die Wanderer nicht den Weg verlassen und einen warmen Pullover im Rucksack haben. Der Wanderweg endet am Forsthaus vom Fanal. Noch ein Stück weiter führt der Weg in den kleinen Vulkankrater hinein bis zu einem der wenigen natürlichen Teiche auf Madeira, der von den Kühen als Tränke genutzt wird. Der Ort ist im Naturpark Madeira als „Ort der Erholung und der Stille“ klassifiziert – selten hört man ein Auto auf der Straße vorbeifahren, noch seltener trifft man andere Wanderer. Die uralten Bäume bergen einen geheimnisvollen Zauber. Gern glaubt man, dass schon vor Jahrzehnten, als die Straße nach Ribeira da Janela noch eine Piste für die Forstpolizei war, Esoterik-begeisterte Madeirenser aus Funchal und Caniço de Baixo zu diesen Bäumen wanderten, um auf den mächtigen Wurzeln im Lotossitz zu meditieren. Der Weg hinunter zum Teich bietet bei schönem Wetter noch einmal einen verblüffenden Ausblick auf die Nordküste - der blaue Atlantik glitzert in der Sonne und kündet von Badefreuden.

Wer nach vier Wanderstunden nicht genug hat, der mag über den Wanderweg PR 14 noch ein Stückchen verlängern. Vom Fanal geht es über die dreihundert Jahre alte Levada dos Cedros (nur für Schwindelfreie!) unter Maiblumenbäumen und Azoren-Lorbeer zum Curral Falso. Mit etwas Glück soll man hier sogar die große Silberhals-Taube sehen können. Der PR 14 ist auch eine kürzere, aber anstrengendere Alternative - mit Abstieg über 300 Höhenmeter – wenn das Wetter unterhalb des Fanal besser aussieht als oberhalb.

Bei den Wanderzeiten handelt es sich um jeweils eine Richtung, der Rückweg zum Mietwagen steht also noch bevor, denn ein Taxi gibt es hier nicht und einen Bus schon gar nicht.
Der Nordostpassat, der zu diesem Osterfest beständig und kräftig bläst, bringt die Wolken am späten Vormittag – früh aufstehen lohnt sich also für diesen Spaziergang.

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