Gebäuder des Centro de Saúde und der Notaufnahme in Ribeira Brava
Das Centro de Saúde findet man auch auf dem Land

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Oh Weh!

12. Mai 2010

Krank in der Fremde

Als das Taxi mit den neuen Gästen vorfuhr, wartete schon ein Vierbeiner vor dem Eingang des kleinen Hotels. „Meine Katze!“ rief die zehnjährige Lisa überschwänglich. Wenig später waren die beiden Freunde. Doch nach genau einer Woche kam die Kleine morgens nicht mehr raus zum Spielen. 39Komma5 maß das Fieberthermometer. Lisas Kopf glühte. Dem Mädchen war kalt, obwohl sie schwitzte. Ihre Katze verzog sich in eine Ecke und maunzte.

Auch Beate S. hatte Pech. Nach einem berauschenden Abend auf der Terrasse ihres Feriendomizils wurde sie von einer schmerzhaften Blasenentzündung lahmgelegt. Ehemann Peter suchte am Folgetag nach medizinischer Hilfe. Deutschsprachige Ärzte finden sich logischerweise in der „deutschen Kolonie“ Caniço de Baixo. Wenn nötig, rücken einige von ihnen zum Hausbesuch an. Sowohl bei Lisa wie auch bei Beate S. lag der Notdienst (Urgencia) des Gesundheitszentrums von Ribeira Brava näher. Für die Ärzte und Krankenschwestern dort waren die beiden Fälle Routine-Angelegenheiten. Die Patientinnen wurden schnell und gut „verarztet“. Der Notdienst in Ribeira Brava ist einer von vielen auf der Insel. Rund um die Uhr ist die Station besetzt. Die Bezahlung funktioniert einfach. Lisa kam gratis weg, Beate S. bezahlte vierzig Euro in bar und reichte die Rechnung später bei ihrer Krankenversicherung ein. Wo sich der nächstgelegene Notdienst befindet, erklären einem Einheimische auf der Straße, wenn es sein muss, mit Händen und Füßen.

Nicht alle Stationen sind so tüchtig und so neu wie die von Ribeira Brava. in Calheta fiel einem Jungen während der Behandlung Schimmel von der Decke ins Gesicht. Leider verfügen die wenigsten „Centros de Saude“ über ein Röntgengerät. So wird der Patient doch häufig weitergeleitet von der Urgencia ins Krankenhaus von Funchal. Hier geht es zu wie im Taubenschlag, und der ohnehin erschrockene verletzte oder erkrankte Tourist mag sich fragen, wie ihm hier Hilfe zuteil werden soll. Doch ein effektives Management in der „Vor-Sortierung“ der Patientinnen und Patienten in der Notaufnahme, durchgeführt von besonders geschulten Ärzten und Pflegepersonal, macht es möglich, dass jeder Hilfesuchende schon nach kurzer Zeit befragt und untersucht wird. Wer schwer verletzt ist, wird sofort behandelt, weniger schwere Fälle müssen etwas länger warten.

Die freundliche Hilfe für die kranken Urlauber täuscht nur zu leicht darüber hinweg, dass die staatliche Gesundheits-Versorgung der Inselbevölkerung katastrophal ist. In dem flächendeckenden Netz der Gesundheitszentren fehlt es fast überall an technischem Equipment zu Diagnose und Behandlung. „Dank unserer neuen Schnellstraßen langen die Kranken unverzüglich im Zentralkrankenhaus von Funchal an, wo ihnen sofort geholfen wird“, verklären Madeirenser die Situation. In Wirklichkeit warten unzählige alte und jüngere Patienten tagelang in gnadenlos unterbesetzten Gesundheitszentren auf medizinische Beratung und Betreuung. Einen Termin beim Spezialisten erhält man erst nach Wochen – oder man zahlt aus eigener Tasche und sucht den Arzt am Nachmittag in seiner Privatpraxis auf.
Das Krankenhaus in Funchal platzt längst aus allen Nähten und leidet an Personalknappheit. Die Intensivstation zum Beispiel arbeitet rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche mit nur fünf Ärzten insgesamt. Die Arbeitszeit der Krankenschwestern wird derzeit von 42 auf 35 Arbeitsstunden heruntergesetzt. Der Verdienstausfall entspricht 37 Prozent des Gehalts. Da die Arbeit in unverändertem Umfang anfällt, wird diese Maßnahme die Motivation des Pflegepersonals mindern. Wegen der allherschenden Enge im Krankenhaus werden Patienten schon mal in aller Öffentlichkeit auf dem Gang behandelt. Vom Patienten wird, wie der Name sagt, Geduld verlangt, aber die Ruhe, derer Kranke bedürfen, steht dort nicht auf dem Behandlungsplan. Bessere Pflege als im Zentralkrankenhaus bieten die kleinen Privatkliniken, deren Pforten für die Normalsterblichen Madeiras verschlossen bleiben. Im Notfall könnten die Privatkliniken kranken Urlaubern möglicherweise gezielter helfen. Die Rechnung wird normalerweise von der heimischen Krankenkasse erstattet.

Positiv stellen sich die mobilen zahnärztlichen Dienste dar. In jedem größeren Ort Madeiras reist eine Zahnärztin oder ein Zahnarzt ein- oder mehrmals wöchentlich zu planmäßigen Sprechstunden an. Der Behandlungsraum entspricht modernen Standards, die Ärzte weisen sich durch eine solide Ausbildung und entsprechendes Know-How aus. Behandlungstermine sind kurzfristig zu vereinbaren, die Lokalität des zahnärztlichen Dienstes erfährt man in jeder Hotelrezeption oder auf der Straße bei Befragen Einheimischer. In dringenden Fällen: wenn die Sprechstunde morgen nicht im Urlaubsort stattfindet, dann mit Gewissheit in einem anderen Ort im Umkreis von 30 Kilometern. Eins ist gewiss: man kommt immer dran. Samstags gibt es zumindest am Vormittag einen zahnärztlichen Notdienst in der Clinica da Sé in Funchal. Nur am Sonntag muss man sich mit Schmerzmitteln behelfen. Auch auf dem Land gibt es Apotheken, die sonntags geöffnet haben.

Bei Gelenkverletzungen auf Wanderungen sind die Physiotherapeuten in den Gesundheitszentren zuständig. Auch da muss recherchiert werden, wo und wann die Sprechstunde stattfindet. Ein Netz von privaten Praxen komplementiert das Angebot. In den letzten Jahren sind Chiropraktiker (Osteopathen) aus Osteuropa nach Madeira und Porto Santo gekommen. Sie leisten meist hervorragende Arbeit für wenig Geld.

Leserbriefe

macnetz 17.04.2011 09:30

der Artikel ist interessant
nur etwas zu lange durch mehrfaches Einsetzen :)

Grüsse
Anton

Danke für den Hinweis! Die Redaktion

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