Der gewaltige Frühjahrsputz

5. März 2010

Funchal schrubbt, wienert und verspricht, nicht zu hudeln

Der Oberbürgermeister der Hauptstadt Madeiras wirkt erschöpft. „Wir alle haben die Ärmel hochgekrempelt und tüchtig rein gehauen“, sagt Miguel Albuquerque. „Aber ausruhen ist jetzt nicht. Vor allem darf der Wiederaufbau der Stadt nicht alte Baufehler wiederholen.“ Funchal sieht zwei Wochen nach dem Unwetter fast überall aus, als wäre gar nichts passiert. Nur in der Nähe der drei großen Flüsse hindern Polizisten am Weitergehen.

 

Ob die Katastrophe in Funchal naturgegeben oder hausgemacht war, darüber debattiert Madeira zur Zeit. Der Oberbürgermeister der Hauptstadt ist der einzige aus der Regierungsriege, der nicht alle Kritik abblockt. Im Endeffekt kann Albuquerque stolz sein auf sein Stadtvolk. Schulen, der Markt und die Läden haben wieder geöffnet. Das Theater ist gereinigt, die Parks und Fußgängerzonen sind frei von Schlamm. Die Schuhhändler, deren Läden überspült waren, haben die verdreckten Schuhe gereinigt und verkauften sie für drei Euro das Paar. Die Fähigkeit zur Improvisation ist faszinierend in der schweren Zeit. Die sechshundert Obdachlosen sind größtenteils in der Militärkaserne untergebracht. Man hat dort eine provisorische Schule für die Kinder eingerichtet, mit denen Soldaten in der Freizeit toben. Bei einer Sammelstelle geben die Madeirenser gebrauchte Schlafanzüge, Büstenhalter und andere Wäsche, Shampoo, Duschgel und wärmende Decken ab. Die Obdachlosen haben buchstäblich alles verloren und sind auf Sachspenden angewiesen. Auf einer Pressekonferenz versichert die Sekretärin für Tourismus mit unverbindlichem Lächeln „Zum Blumenfest Mitte April ist Funchal wieder, wie es immer war.“

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