Ribeiro do Inferno
In einer dunklen Schlucht stürzt der Höllenfluss zu Tal

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Der Weg zum Höllenfluss

22. Januar 2010

Eine Wanderung auf der Nordseite Madeiras

Nur wenige Wanderungen auf der Nordseite Madeiras finden sich in den einschlägigen Wanderführern. So ist die Levada Fajã de Rodrigues recht unbekannt – obwohl sie gerade aus dem Süd-Westen gut zu erreichen ist. Sie führt den Wanderer zum „Höllenfluss“ - Ribeira do Inferno, einer tief eingeschnittenen Schlucht, durch die ein Wasserfall stürzt. An einem trüben Wintertag mit schwachem Südwestwind, der Regen oder Wolken über Calheta und Ponta do Sol legt, lohnt sich die kurze Fahrt durch den Tunnel unter dem Encumeada-Pass. Ist der Wind nicht zu stark, sieht es jenseits des Tunnels vielleicht schon viel freundlicher aus. Etwa auf der halben Strecke bis São Vicente geht es links ab Richtung Lamaçeiros und Ginhas (ER 108). 

Man fährt zunächst in Richtung Miradouro, dann in Richtung Parque Empresarial. Direkt unterhalb dieses (zukünftigen?) Industriegebietes von São Vicente kann man den Wagen parken und von hier aus dem breiten Forstweg aufwärts folgen, der in wenigen Minuten zur Levada führt. „Pat and John“, die einzigen, die diese Levada in ihrem „Sunflowers“-Wanderführer beschreiben, empfehlen einen Abstecher auf der Levada in östlicher Richtung bis zum Aussichtspunkt mit herrlichem Blick über das Tal von São Vicente. Die eigentliche Wanderung folgt der Levada in westlicher Richtung.

Nach wenigen Metern schon passiert man die Wassertreppe eines Elektrizitätswerkes. Die Levada wurde vor einigen Jahren voll instand gesetzt, der Levadaweg ist angenehm zu gehen. Man wandert durch den Wald, immer wieder bieten Durchbrüche schöne Ausblicke auf São Vicente und den Atlantik. Der Weg kann recht feucht sein, an manchen Stellen wird man um große Pfützen und lehmige Abschnitte herum balancieren müssen. Auch an einem Abschnitt, der vor geraumer Zeit von einem Erdrutsch verschüttet wurde, ist Vorsicht geboten, obwohl der Weg inzwischen gut ausgetreten ist. Doch der Berg bricht zur Rechten steil ab, jeder Tritt muss sitzen.

Nach 25 Minuten bringen drei Tunnels etwas Abenteuer in die gemütliche Wanderung. Eine Taschenlampe für jeden Wanderer ist notwendig, denn die Tunnels sind nicht überall gleich hoch (Achtung Kopf!) und der Levadaweg ist recht schmal. Im zweiten Tunnel erleichtern über den Kanal gelegte breite Bretter, komfortabel mit Treppenauf- und abstieg, die Passage enorm. Nach dem zweiten Tunnel ist der Levadaweg nicht renoviert, über den Kanal gelegte Betonplatten sind zum Teil zerstört und man fragt sich, ob man den Weg weiter wagen soll. Es lohnt auf jeden Fall, den dritten, kurzen Tunnel – erreicht nach etwa 45 Minuten Wanderstrecke vom Parque Empresarial gerechnet - noch zu durchwandern. Unversehens steht man direkt am Tunnelausgang über dem Bach „Ribeiro do Inferno“. Höllenklamm würde man diesen Abschnitt im Deutschen nennen. Der Bach bricht sich mit Getöse über Wasserfälle und tiefe Gumpen durch den Fels, das Spritzwasser trifft den Wanderer, der auf der Levada den Lauf des Baches verfolgt. Für eine Rast eignet sich dieser Platz im Winter nicht, es ist zu kühl und vor allem zu feucht. Auf dem Rückweg, vor dem Eingang in den ersten Tunnel, ist ein lieblicheres Rastplätzchen mit freier Sicht ins Tal zu finden.

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