Knurrende Mägen auf Porto Santo?

8. Januar 2010

Wenn die Fähre nicht kommt, herrscht Ebbe in den Supermarktregalen

Im vorigen Winter war das Meer aufgewühlt. Da stellte die Fähre zwischen Porto Santo und Madeira für Wochen den Betrieb ein. Auch in diesem Winter stürmt es kräftig, so dass die „Lobo Marinho“nicht selten im Hafen von Funchal liegen bleiben muss. Die Folge davon: Für Porto Santo bestimmte Lebensmittel kommen bei den Konsumenten nicht an. Und wer keinen Vorrat angelegt hat, schnallt notgedrungen den Gürtel ein Loch enger. Die Porto Santenser beklagen natürlich „die höhere Gewalt“. Doch nicht allein der Wettergott trägt Schuld an leeren Regalen in den Supermärkten. Die Inselbewohner haben selber zum Notstand beigetragen, indem sie – schon vor Jahrzehnten - ihre ureigenen Ressourcen vernachlässigten. 

Naturverwöhnt war Porto Santo nie. Aber Ziegen und Hühner brauchen wahrlich keinen fruchtbaren Boden. Wer aktuell auf Porto Santo Gegacker oder ein gedehntes Mäh vernimmt, hat Glück gehabt. Auch die Rinderzucht haben die Bewohner von Madeiras Nachbarinsel weitgehend aufgegeben. Zeuge ist der Schlachthof, der heute ungenutzt am Weg nach Calheta steht.

Porto Santo ist berühmt für seinen Wein. Der Dünenweg, der an der Mole beginnt, führt entlang einiger vernachlässigter Rebstöcke. Der Fischfang vor Porto Santo war so ergiebig, dass im vergangenen Jahrhundert in einer Fabrik fünfzig Arbeiter Fischkonserven fertigten. Der Getreideanbau florierte in früherer Zeit ebenfalls. Wer von Camacha aus die Nordroute fährt, sieht vom ersten Aussichtspunkt hinter Camacha auf ein verfallenes Gehöft hinunter. Haupthaus, Stallung und Kornspeicher verteilen sich auf einem großzügigen Territorium mit altem Baumbestand. Pedregal heißt die verwaiste Zone, auf der der noch gut erkennbare Dreschplatz von der Arbeit der Menschen, Esel, Pferde und Ochsen erzählt.

Die Eigeninitiative ist auf Porto Santo verloren gegangen. Durch den regelmäßigen Fährbetrieb und durch die täglichen Flüge nach Madeira ist die Versuchung groß geworden, sich auf die Versorgung durch die Schwesterinsel zu verlassen. Frühere landwirtschaftliche Tätigkeiten erscheinen angesichts gefüllter Supermarktregale zu niedrigen Preisen als unwirtschaftlich. Sicherlich wäre es vermessen, die heutigen Menschen zu den alten Beschäftigungen zurücktreiben zu wollen. Eine bittere Erfahrung musste die Bezirksverwaltung machen, die im Hauptort eine schöne Markthalle baute, damit lokale Bauern und Fischhändler darin ihre Produkte feilböten. Die Halle stand fast immer leer und dient nun als Buffet-Restaurant. Sicher könnten lokale Produzenten kaum mit den Preisen großer Agrar-Betriebe konkurrieren. Doch wenn man bedenkt, was auf Porto Santo alles subventioniert wird, fragt man sich, warum anstatt überdimensionierter Golf- und Tennisanlagen nicht eine Initiative von Kleinbauern gefördert wurde.

Ein Mangel an Kreativität liest die kritische Beobachterin dem Zustand einer alten Saline am Porto dos Frades in Serra de Fora ab. Dieses Denkmal eines traditionellen Handwerks verfällt ungenutzt. Auf La Palma hat man aus dem Untergang des traditionellen Meersalzgeschäftes ein neues, bescheidenes Geschäft gemacht. Kleine Säckchen mit Meersalz werden für kleines Geld an Touristen verkauft – ein preiswertes und schönes Mitbringsel, das auf Porto Santo und Madeira sicher bei Touristen gut ankäme. Doch eine solche Idee wird – wie so vieles – auf Porto Santo verschenkt.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.