Cabernas Pico Ana Ferreira
Hier versteckten sich die Insulaner vor den Piraten

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Piraten auf Porto Santo

14. Dezember 2009

Nur wenige Einwohner entgingen der Sklaverei

Piraten waren über Jahrhunderte die größte Bedrohung auf der Insel Porto Santo. Sie kamen aus Algerien, in späteren Jahrhunderten auch aus Frankreich, und sie nahmen alles mit, was sie zu Geld machen konnten – vor allem die Menschen, die sie als Sklaven verkauften. Eine Festungsanlage gab es in diese Zeit noch nicht. Hilfe aus Madeira kam viel zu spät.Wenn die Piraten-Schiffe von der Ponta do Sao Lourenço, der Ostspitze Madeiras, gesichtet wurden, dauerte es geraume Zeit bis die Hilfstruppen in Funchal alarmiert und in See gestochen waren. Als die Soldaten dann auf Porto Santo landeten, waren die Piraten schon wieder auf und davon. Der schlimmste Überfall geschah im August 1617. Algerische Freibeuter landeten mit acht Schiffen. Alle neunhundert Einwohner Porto Santos wurden nach Algier in die Sklaverei verschleppt. Nur achtzehn Männer und sieben Frauen entkamen den Häschern. Sie versteckten sich erfolgreich in Höhlen im Lavagestein in den Bergen und in unterirdischen Getreidespeichern. 

Auf dem Pico Branco, oberhalb der Capela de Graças und auf dem Pico Ana Ferreira seien diese Höhlen zu finden, heißt es in der Literatur über Porto Santo. Die Höhlen auf dem Pico Ana Ferreira sind leicht von der Straße aus zu sehen, wenn man weiss, dass man sie dort finden kann. Sie liegen am Ostende des Bergkammes, ca. 200 m vor dem Abbruch oberhalb des Steinbruchs. Wunderbar ist der Ausblick von den Höhlen über den gesamten Strand bis hin zum heutigen Hafen. Schrecklich war der Anblick für die Porto Santenser, die sich 1617 hier versteckt hielten. Atemlos und mit letzter Kraft im sicheren Versteck angekommen, mußten sie mit ansehen, wie ihre Verwandten, Nachbarn und Freunde auf die Schiffe verfrachtet wurden und die Piraten sich auf den Rückweg machten. Zerstörte, geplünderte und verbrannte Häuser blieben zurück, und die Insel war verwaist. Wie für sie und die wenigen anderen Einwohner, die den Überfall ohne größeren Schaden überstanden hatten, das Leben auf der isolierten Insel weiter ging, bleibt der Fantasie des Wanderers überlassen.

Wer der Entdecker-Lust nicht widerstehen kann und den steilen Aufstieg auf den Kamm des Pico Ana Ferreira versuchen will, der sollte sich bei einem Spaziergang zum Steinbruch mit den sehenswerten Basalt-Säulen Orientierung über die Lage der Höhlen verschaffen. Gleich links neben dem Steinbruch zum Kamm aufzusteigen und von dort zu den Höhlen zu klettern ist verführerisch, aber nicht ungefährlich. Die Trampelpfade auf dem Südhang des Pico Ana Ferreira werden offensichtlich weitgehend von Kaninchen benutzt, immer wieder ist der Pfad unvermittelt zu Ende. Der Hang ist hier ausserordentlich steil, und Gras und Disteln bieten den Händen keinerlei zusätzlichen Halt. Auf dem letzten Stück ragen zwar die zum Klettern angenehmen Basalt-Säulen über den Erdboden. Doch dazwischen wächst der Feigenkaktus (Opuntie) mit seinen tückischen kleinen und großen Stacheln.

Viel einfacher, wenn auch länger, ist der Aufstieg auf der Nordseite des Berges. Dazu folgt man dem Weg unterhalb des Steinbruchs und umrundet so die Ostflanke, wendet sich dann an einem weiteren Weg nach links, geht einige Schritte wild über die Wiese unterhalb der Kieferngehölzeaufwärts und hält auf einen teils zerstörten Zaun zu, der das Basaltgestein von Bäumen und Wiese trennt. Jenseits des Zaunes steigt man auf den Basaltsäulen bequem und vergleichsweise gemächlich auf. Auf dem letzten Stück zu den in die Luft ragenden Säulen – man sollte sich diese Formation schon von unterhalb einprägen, damit man nicht zu weit wandert – ist noch einmal etwas Klettern vonnöten. Oben angelangt, übersteigt man bequem den Grat, mit gutem Halt an den Felsen, und schon steht man vor den beiden Höhlen. Beide werden offensichtlich gelegentlich zu kleineren Grillparties genutzt – viel getrunken wird hier aber sicherlich nicht, denn die Partygäste wollen ja heil wieder herunterkommen. Vor allem zur Südseite ist der Hang ausserordentlich steil. Fallen darf man hier nicht, der Weg ist darum nur trittsicheren und schwindelfreien Wanderern empfohlen.

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