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C&A-Filiale im Forum Madeira

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Alle Vögel sind schon da?

8. Dezember 2009

Douglas, Spar, auch C&A!

um - Douglas ist europaweit auf dem Vormarsch. Wen wundert es, dass die Hagener Firma auch Madeira längst eroberte? Spar landete kürzlich in Funchal (Santo Antonio) an. In Prazeres ist ebenfalls eine Filiale vorgesehen. Die ursprünglich holländische, inzwischen aber europaweit verwirklichte Idee einer Genossenschaft von Groß- und Einzelhändlern hat sich in der Algarve prächtig bewährt, wo Touristen in kleinen Spar-Geschäften ein Gefühl von „zu Hause Einkaufen“ erleben. Nun ist die Spar-Welle nach Madeira übergeschwappt. Die Österreicher und Schweizer wird es freuen, die Deutschen kennen Spar nur aus der Vergangenheit. Denn 2007 wurden die Läden größtenteils von Edeka übernommen, das in Deutschland einen ähnlichen Hintergrund hat. Ebenfalls mit niederländischen Wurzeln, aber in deutscher Urheberschaft, kommt C&A daher. Der „Klamotten-August“, wie C&A früher im Volksmund hieß, eröffnete jüngst im Forum von Funchal seinen ersten Laden auf Madeira.

 

Preiswert und bieder ist die Kollektion der Madeira-Filiale, die alle Generationen – vom Baby bis zur Großmutter – gleich gut kleidet. C&A bleibt überall seiner Linie treu. Offenbar mit Erfolg. Der erste Laden auf der Insel ist der 37. in Portugal, wo der „Family-Store“ vor 18 Jahren Fuß fasste. Die C&A-Gründer, die deutschen Brüder Clemens und August Brenninkmeyer hatten 1841 im niederländischen Sneek, einem Städtchen zwischen Groningen und dem Ijsselmeer, ein Kleidungslager aufgemacht. Zwanzig Jahre später eröffneten sie das erste C&A-Modegeschäft. In einem Erfolgssturm von eineinhalb Jahrhunderten etablierte sich der Familienausstatter für die schmale Geldbörse in 14 europäischen Ländern. Material und Stoffe der Konfektionsware sind in jedem C&A-Geschäft bescheiden. Bei weiterem übertroffen wird diese Bescheidenheit von den chinesischen und indischen Basaren, die auf Madeira und Porto Santo während der letzten Jahre wie Pilze aus dem Boden schossen. Nicht nur auf die Kleidungsartikel, sondern pauschal auf alle Waren trifft das Prädikat „Ramsch“ zu. Dennoch gehen die Geschäfte dieser Basare gut. Als die ersten Billigläden öffneten, polterte der Regierungschef Madeiras: „Ich will weder Chinesen noch Inder auf Madeira haben“, und zeigte damit, welch Geistes Kind er ist. Es kam zu einer Protestnote des chinesischen Botschafters in Lissabon. Heute initiieren Einzelhändler im gebeutelten Porto Santo eine Unterschriftenaktion gegen den einzigen chinesischen Basar auf der kleinen Insel. In Machico auf Madeira rief die lokale Kaufmannschaft um Hilfe angesichts des geplanten 500 qm großen chinesischen Basars im neuen Einkaufszentrum. Man werde mit allen legalen Mitteln die chinesische Expansion verhindern, heißt es aus dem Regierungspalast eines Regenten, der nach seinem Ausrutscher Kreide gefressen hat. Zu hoffen ist, dass die „gelbe Gefahr“ nicht als Grund für die wirtschaftliche und finanzielle Fehlentwicklung auf Madeira herhalten muss.

Die kalte Schulter des madeirensischen Machtzentrums hat vor ein paar Jahren auch Lidl kennen lernen müssen. Der Discounter wollte vor Jahren in Caniço seinen ersten Markt auf Madeira eröffnen. Die in der Nähe ansässige deutsche Kolonie hatte bereits frohlockt. Obwohl Lidl berüchtigt ist wegen seiner Mitarbeiterführung, lockten doch die niedrigen Preise. „Wir haben bei Lidl in Porto eingekauft, und dort glatt ein Drittel weniger bezahlt als üblich,“ sangen Rolli und Ragna (Namen geändert, die Redaktion) das hohe Lied auf den deutschen Markt, der mit Niedrigpreisen in Europa Furore macht. Doch der Plan, auf Madeira Fuß zu fassen, platzte. „Lidl Portugal konzentriert sich zur Zeit auf Expansion auf dem Festland und in der nahen Zukunft ist die Expansion auf Madeira nicht geplant “, beschied Madalena Bettencourt von Lidl Portugal die Madeira-Zeitung kurz und knapp.

Was sonst noch zu erwarten ist, bleibt Spekulation. Mit Douglas, Spar und C&A haben Mitteleuropäer gewiss eine solide Basis-Ausstattung auf Madeira erreicht. Deutlich fehlt eine gute Döner-Kebab- Bude als Außenposten des türkischen Sektors von Berlin und die kleine Nordsee-Filiale, in der man ein Matjesbrötchen auf die Hand kriegte.

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