Espada
So findet man ihn im Supermarkt: Espada

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Überfischt

6. Oktober 2009

Nach dem Kabeljau geht es nun dem Espada an den Kragen

Schon lange kommt der in Madeira gehandelte Kabeljau (port. „bacalhau“) ausschließlich aus Norwegen. Nun wird seit Jahren schon das madeirensische Espada-Angebot aus Azoren-Erträgen ergänzt. Madeiras Fischer ziehen weniger schwarze Meeres-Ungeheuer aus der Tiefe denn je. Konstant bleibt aber der Appetit der Urlauber, die den berühmt-berüchtigten Espada (dtsch. „Schwarzer Degenfisch“) auf der Speisekarten finden wollen.

 

Früher war Fisch das Arme-Leute-Essen. Die öffentlichen Busse hatten Haken außen an der Karosserie. Da konnten die Leute ihre Säcke mit den Espada-Fischen anbinden, die sie in den Markthallen erstanden hatten. So viele Fische befanden sich im Gepäck der Fahrgäste, dass der Gestank aus dem Businneren verbannt werden musste. Die Fischer selber gingen mit ihrem Fang von Haus zu Haus. Sie hatten sich die Fischleiber um die Hutkrempe gebunden. Der Verkauf an der Tür war ein wohlfeiles und gängiges Geschäft. Billig ist der Espada immer noch. Aber der Tiefseefisch macht sich rar.

Um 28,8 Prozent sank die Fangquote in der ersten Jahreshälfte 2009, verglichen mit dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. In absoluten Zahlen liest sich die Fangmenge immer noch gigantisch: mehr als 1000 Tonnen verkauften die Espadafischer auf den Fischauktionen. Aber in der ersten Jahreshälfte 2008 waren es fast 3000 Tonnen. Im Schnitt ist damit eine ganze Schiffsladung pro Tag weggefallen. Wenn die Nachfrage da ist, aber das Angebot verknappt, steigen natürlich die Preise. Zweieinhalb Euro bekommt der Fischer im Durchschnitt für das Kilo Espada. Im Supermarkt geht der Fisch dann für dreieinhalb bis viereinhalb Euro über den Ladentisch. Für den Preis hätte man früher einen ganzen Fisch mitgenommen. Aber im Vergleich zu den aktuellen Fischpreisen in Mitteleuropa ist der Espada supergünstig.

In Madeiras Gewässern schwimmen weniger Degenfische als früher. Zu groß war und ist der Hunger der Menschen, sodass nun die Fischerkollegen von den Azoren aushelfen. Die begehrte Touristenspeise Espadafilet mit Banane wird darum sobald nicht aussterben.

Die Fischfarmen florieren, auch auf Madeira. In den großen maritimen Zuchtanlagen unterhalb der Meeresoberfläche werden mit großem Erfolg Doraden aufgezogen. Die Fischfarmen decken die heimische Nachfrage, darüber hinaus können 500 Tonnen Doraden exportiert werden. Als im Winter 2008/09 ein Sturm die Fischfarmen umkippte, entkamen Hunderttausende von Doraden. Die Angler standen fast in Dreierreihen an der Küste. Da befand sich die Dorade wochenlang auf dem heimischen Speisezettel. Der Espada eignet sich von seiner Lebensweise nicht für die Haltung in Fischfarmen. Er lebt im Freiwasser und in Bodennähe in 600 – 1400 m Meerestiefe. Nicht ganz einfach ist daher der Fang: An langen Leinen hängen die Köder, an denen der Schwarze Degenfisch sich festbeißt. Die Fischer ziehen den Tiefseefisch so schnell an die Meeresoberfläche, dass dem Espada dabei „die Luft ausgeht“. Es steht zu vermuten, dass der Fisch die schwarze Farbe erst beim Wechsel des Drucks, beim Auftauchen an die Wasseroberfläche, erlangt. Die schwarze Färbung der Haut macht ihn zusammen mit dem furchterregenden Gebiss und den großen Augen in der Stunde des Todes zum Ungeheuer. Viele sagen, man solle den Espada zunächst probieren und erst danach anschauen.

Der Thunfisch ist gegenüber dem Espada im Auftrieb. In der ersten Hälfte 2009 gingen den Fischern 32,5 Prozent mehr Thunfische und vergleichbare Arten in die Maschen. In der Rechnung sind allerdings Erträge von Booten enthalten, die auf den Azoren registriert sind, aber in Madeira verkaufen. In den warmen Monaten liegt der Kilopreis bei drei Euro für die Fischer, der Verkaufspreis schwankt zwischen viereinhalb und sieben Euro. Das ist im Vergleich zum mitteleuropäischen Frischpreis für Thun sensationell billig. Ist das Angebot reichlich, wird schnell die Nachfrage steigen. Dann könnte es passieren, dass der Thunfisch das nächste Opfer der Überfischung auch vor Madeira sein wird. Der Hunger der Menschen, seine vielen aufgerissenen Schlünde, sind unersättlich. Bis im Meer nur noch Fischfarmen schwimmen.

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