Funchal, Marina
Die schönen Seiten Funchals entdeckt man mit diesem Reiseführer bestimmt

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Gekonnt verführt

13. September 2009

Der Spirallo-Reiseführer Madeira von National Geographic

Ein „Reise(ver)führer“ will das Büchlein sein, so die Werbung. Die attraktive Aufmachung mit großen Fotos und die praktische Spiralbindung verführen zukünftige Madeira-Reisende zumindest zum Kauf. Dieser Reiseführer ist auf den erste Blick einfach „schön“, gern packt man ihn in den Koffer. 

Im „Magazin“, dem ersten Kapitel des Büchleins, finden sich einige Hinweise zur Geschichte Madeiras, zum Madeira-Wein, zur Pflanzenwelt, zu den Festen auf der Insel – kenntnisreich und lesefreundlich aufbereitet wie für eine Illustrierte. Das lockt zum Schmökern. Doch drei schmale Seiten „Pflanzenwelt“ für die üppige Natur Madeiras bleiben eben nicht mehr als ein leiser Lockruf.

Einem ersten Überblick folgen fünf Kapitel für die verschiedenen Regionen Madeiras. Der Nachbarinsel Porto Santo werden sechs Seiten gewidmet. Vorschläge für einen Spaziergang durch Funchal und drei Wanderungen schließen sich an, das letzte Kapitel „Praktisches“ liefert Hinweise zu Reiseformalitäten, allgemeine Informationen zu Klima und Gesundheitssystem sowie einen kleinen Sprachführer.

Überraschend detailreich erscheint das Kapitel über Funchal mit seinen vielfältigen Museen und Sehenswürdigkeiten. Selbst wer die Stadt seit Jahren kennt, findet mit diesem Reiseführer in der Hand Neues, Nie-Gesehenes. Das Kapitel „Die Umgebung von Funchal“ wird in anderen Reiseführern meist noch im Funchal-Kapitel mit untergebracht. Hier bietet das Büchlein zusätzlich gute Hinweise.

Das Zentrale Bergland, der Westen und der Osten Madeiras werden je in einem Kapitel dargestellt. Für jede der Regionen wird ein Tagesausflug mit dem Auto vorgeschlagen („Der Westen Madeiras an einem Tag“ usw.). Die Tour führt zu sämtlichen touristischen Highlights, kleine Spaziergänge inklusive.Selbst wenn man brav dem Zeitplan folgt und von 9 bis 18 Uhr das Tourismus-Programm abhakt, ist das kaum zu schaffen. Hier bleibt einem nichts anderes übrig, als von vornherein auf manche Ziele zu verzichten und lieber etwas länger an einem schönen Platz zu verweilen. Auch die vorgeschlagenen Wanderungen sollte man keinesfalls einfach so nachahmen, vor allem dann nicht, wenn einem die nötige Kondition fehlt, weil man an den drei Vortagen fast nur im Mietwagen sass, um das Programm abzuarbeiten...

Bei der Fahrt entlang der Nordküste (S. 124) bietet der Autor seinen Lesern einen Abstecher zum Fanal an, gelegen an der Verbindungsstraße von Ribeira da Janela zum Paul da Serra. Wer diesem Hinweis folgt, fragt sich, ob der Autor selbst dort gewesen ist. Die zu besichtigenden Lindenbäume sucht man hier nämlich vergeblich. Statt dessen stößt man auf zahlreiche uralte Lorbeerbäume, beschildert mit "Til", dem madeirensischen Namen für den "Stinklorbeer". Sehenswerte, beeindruckende alte Bäume, die nichts mit der zartgrünen Linde (portugiesisch "tilia") gemeinsam haben.

Der Autor des Reiseführers, Christopher Catling, ist Brite. Die deutsche Fassung ist eine Übersetzung. Das ist nicht an der Sprache, wohl aber an der Themenauswahl festzustellen. Das Büchlein ist auf Madeira-Touristen zugeschnitten, die in Funchal Quartier nehmen. Viele deutsche Urlauber suchen aber ruhigere Ziele, in Caniço de Baixo oder im ursprünglicheren Südwesten der Insel.

Fazit: Für das Eintauchen in Madeiras quirlige Hauptstadt ist dieser Reiseführer ein Genuss. Fundierte Informationen, angenehm zu lesen, leicht wiederzufinden, Hinweise, die zu befolgen Freude macht – diese Fülle bieten nicht viele Madeira-Reiseführer. Wer nach Madeira zum Wandern kommt und das Naturerlebnis sucht, der braucht auf jeden Fall noch einen zweiten Reiseführer.

Spirallo Madeira, National Geographic, 190 Seiten, 2. Auflage 2008, EUR 10,30

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