Markthalle - Fisch
Nur am frühen Morgen ist es hier noch richtig voll

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Stirbt der Markt?

21. August 2009

Die Markthallen von Funchal verlieren ihre Stammkundschaft

Gewiss, der Markt hatte seine große Zeit. Und heute noch ist er einen Besuch wert, mit seinen prächtigen Farben, den bizarren Gerüchen und exotischen Früchten, die auf der Zunge prickeln. Immer öfter jedoch äußern Urlauber ihre Enttäuschung darüber, dass der Markt an Lebendigkeit verliert. „Wir kamen so gegen elf Uhr auf dem Fischmarkt an. Da war leider nicht mehr viel los“, klagt die Familie Chalupa aus Prag. „Nur noch auf einem Drittel der Tische wurden Fische angeboten. Die meisten Händler schrubbten bereits ihren Verkaufsplatz sauber.“ In der Nachbarhalle sind regionale Produzenten sowieso nur freitags und samstags vertreten. Von den professionellen Händlern im Obergeschoss haben sich einige darauf spezialisiert, Urlaubern exotisches Obst überteuert anzudrehen. Die meisten der professionellen Händler verkaufen Obst und Gemüse zu redlichen Preisen. Aber die Nachfrage läßt deutlich nach. 

Daran ändert auch nichts, dass in diesem Sommer Kühlkammern für Obst und Gemüse installiert wurden. 45 Tausend Euro kostete das Lagersystem, das den professionellen Händlern Hilfen an die Hand gibt, ihre Ware frisch zu halten. So verringert sich zwar der Vorsprung der Supermärkte in der Konkurrenz, doch in einem anderen Punkt sind die Markthallen hoffnungslos abgeschlagen: es gibt unmittelbar am Markt nennenswert keine Parkplätze. Zu zwei Parkhäusern läuft man jeweils fünf Minuten mit schweren Taschen und muss dann noch eine Parkgebühr entrichten. Die moderne Kundschaft verzichtet auf das Flair, Funktionalität ist gefragt. Mit vollen Einkaufswagen per Lift in die Tiefgarage hinab und am geöffneten Kofferraum auspacken.

In den letzten Jahren sind auf dem Land, fernab der Hauptstadt, Bauernmärkte entstanden. Prazeres und Canhas mit ausreichend Parkplätzen vor den Ständen locken sonntags Kunden an, der traditionelle Bauernmarkt in Santo da Serra tut dies seit Jahrzehnten.

Die Markthallen von Funchal öffneten zum ersten Mal im Dezember 1880 ihre Pforten. Das Gebäude war für die damalige Zeit eine grandiose Duplex-Konstruktion mit funktionaler und effizienter Aufteilung verschiedener Angebote: Bauernmarkt im Parterre und professionelle Händler auf der Galerie im ersten Stock des vorderen Gebäudes, die Fischhändler im hinteren Gebäude. Die großzügig angelegten Markthallen von Funchal waren die ersten ihrer Art in ganz Portugal und entsprachen seinerzeit modernsten Anforderungen an die Hygiene. Die Metzgerläden am Seitenstrang der Obst- und Gemüsehalle sind später angegliedert worden.

Gewiss wird der Markt von Funchal als solcher über kurz oder lang niedergehen. Die Strategien der Supermärkte sind aggressiv und effektiv. So kaufen Supermärkte inzwischen ganze Schiffsladungen an Fisch noch auf dem Meer auf, bevor die Einkäufer die Ware in Augenschein genommen haben. Wenn dann der Einzelhändler an die Auktionsrampe tritt, sind alle Fische schon verkauft. So schrumpfen in der Fischmarkthalle also beide Seiten, Angebot und Nachfrage. Worauf die Stadt Funchal achten muss ist, einen Kahlschlag zu vermeiden. Wie Paris Les Halles preisgab und dadurch verarmte, wie die Stadt Essen die Hallen des Großmarktes opferte zu Gunsten eines mondänen, aber langweiligen Konsumpalastes, so sollte es in Funchal nicht passieren. Die Markthallen von Funchal könnten mit Bistro-Ecken erfüllt werden, wenn die Kundschaft sich weiterhin ausdünnt. Es könnten weitere Spezialitätenstände entstehen, mit Bänken und Tischen. Gebratener Fisch, fruchtige Desserts, frisch gepresste Säfte und Cocktails und Schlemmereien jeder Art würden noch mehr Touristen anlocken, und auch diejenigen Einheimischen, die dem Stress des Supermarkt-Einkaufs den Rücken kehren und mit Augen, Ohren und Nase genießen wollen.

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