Petiscos
Scharfes Hühnerklein, kostenlos serviert

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Billiger Trick oder teurer Nepp?

22. Juli 2009

Manchmal ist der gastfreundliche Appetithappen reine Abzocke

„Da sitzt du schön am Abend im Restaurant mit Meerblick und wartest auf deinen Fisch. Aus der Küche strömen Gerüche wie im Schlaraffenland. Den Wein kriegst du im Voraus, mit einem Überraschungsei serviert: kleiner Teller Tintenfischsalat und Knoblauchbrot. Unaufgefordert und klasse! Stillt schon mal den ersten Hunger. Später reibst du dir die Augen bei der Rechnung. Acht Euro extra kostet die freundliche Geste des Hauses.“ Günther Kamphusen aus Brilon (Name geändert, die Red.) ärgert sich über die falsche Gastfreundlichkeit. Leider passiert das immer öfter auf Madeira. Nicht bestellte Appetithappen werden saftig in Rechnung gestellt. Laut Reiseführer „Top 10 Lissabon – American Express Reiseführer“ ist solch Geschäftsgebaren in Lissabon gang und gäbe. Landestypisch etwa? „Komische Sitten“, quittiert der Sauerländer seinen überteuerten Restaurantbesuch. 

Es ist glücklicherweise nicht überall so. In Bars und Kneipen reicht der Wirt zum Bier so Allerlei: dicke, gelbe Lupinenkerne, salzige Erdnüsse, geschmortes Hühnerklein, grüne Oliven, Krabben in feuriger Sauce und andere Leckereien, die für guten Durst sorgen. Alles kostenlos. Die Zugabe heißt „Dentinho“ (Zähnchen) oder „Petisco“ (Kleinigkeit). Das kommt gut an bei Einheimischen, aber auch bei Feriengästen. „Wir sind abends immer in die selbe Kneipe gegangen, weil es zum Bier geschmorte Schweinsöhrchen gab“, berichteten Feriengäste aus Ostdeutschland, die sich in Paul do Mar einquartiert hatten. In Deutschland kennt man das von den türkischen Imbissstuben. Wenn zum Döner Kebab ein Tee gewünscht wird, geht der auf Kosten des Hauses. Genauso wie der Ouzo nach dem Abendessen beim Griechen. Ärgerlich, wenn die Portugiesen in den Restaurants Speisen ungefragt auftischen und dafür abkassieren.

Wie verhält man sich am besten im Restaurant oder in der Strandbar?

Die Frage, ob es sich um eine „oferta“ (Angebot) handelt oder ob das Servierte bezahlt werden muss („falta pagar?“) verschafft Klarheit. Im Zweifelsfall die nicht bestellte Speise besser nicht anrühren und zurückgehen lassen. So gibt es keine böse Überraschung, wenn es ans Bezahlen geht.

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