Erosion auf Porto Santo
Wasserknappheit auf Madeira?

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Weine nicht, wenn kein Regen fällt

4. Juli 2009

Madeira versucht, die Löcher im Kanalsystem zu stopfen

Im Jahre 2009 regnet es plötzlich wieder. Urlauber, die es kalt erwischt, machen lange Gesichter. Entspannte Mienen hingegen bei den Verantwortlichen der Wasserwirtschaft. Sie saßen seit geraumer Zeit mit einer Po-Hälfte auf dem Trockenen. Um fünfzig Prozent war nämlich der Wasservorrat dezimiert. Der Grund: Fehlender Niederschlag in den Jahren zuvor. Mit den aktuellen kräftigen Schauern hat sich die Lage ein wenig entspannt. Aber nur vorübergehend. Eine langanhaltende Trockenheit kommt auf Madeira zu. So sicher wie der nächste Winter. Nach eigenem Bekunden sind die Verantwortungsträger gerüstet. 

Einsparen heißt die Devise. Pro Kopf gerechnet verbraucht Portugal viermal so viel Wasser wie Deutschland. Wollte man die tropfenden Hähne landesweit mit einer Strichliste abgelten, reichte eine Rolle Klopapier womöglich nicht, um Strich an Strich zu setzen. Gärtner, die den Schlauch bei vollem Schwall für eine Kaffeepause fallen lassen, finden sich in ganz Portugal, ohne dass man groß suchen muss. Anders als zum Beispiel der Alentejo hatte Madeira immer genug Wasser. Deshalb konnte sich die Insel mit ihrem verzweigten Kanalsystem einen Wasserschwund von vierzig Prozent leisten. Genau vierzig Prozent weniger Niederschlag sagen Meteorologen der Region zukünftig – das heißt in dreißig bis vierzig Jahren – voraus. Dem Schreckgespenst des Klimawandels begegnet die Inselregierung mit einer genial einfachen Rechnung: „Wenn wir den Schwund im Kanal stoppen, kompensieren wir dadurch exakt den Schwund beim Regenwasser.“ Die Marschrichtung ist glasklar. Es begann aber mit einem Fehlstart. Die Geschichte ist schon ein paar Jahre alt. Da gibt es bei Machico eine Levada Nova de Caramanchão. Dieser drei Kilometer lange Kanal sollte Kleinbauern regelmäßig mit Wasser für ihren Gemüseanbau versorgen. Auf der kurzen Distanz ging aber soviel Wasser verloren, dass den Bauern ihre Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen, der Kürbis und Kohl vertrockneten. Sie beklagten sich vehement bei der zuständigen Behörde. Vor zwei Jahren wurden daraufhin Kanalisationsrohre aus Hartplastik angeliefert. Problem erkannt, Gefahr gebannt. Nur dass die Rohre nie installiert wurden, sondern irgendwann wieder verschwanden. Die stürmischen Proteste der Bauern, die sich an der Nase herumgeführt fühlten, versucht der oberste Wasserverantwortliche Madeiras mit dem Hinweis auf die große Umstrukturierungsphase der Wasserwirtschaft abzuschwächen. Die Anlaufschwierigkeiten scheinen nun im Großen und Ganzen überwunden. Im Mai 2009 standen fünf Millionen Euro bereit, um hundert Levadas auf Madeira abzudichten. Hauptsächlich südlich des Hochgebirges – in Calheta, Ponta do Sol, Ribeira Brava, Camara de Lobos, Santa Cruz und Machico – benötigt die Landwirtschaft im Sommer jeden Tropfen verfügbaren Wassers. Bei Prazeres gelang der erste große Schlag. Reparaturarbeiten an der Levada Nova Calheta – Ponta do Pargo gestalteten einen zwölf Kilometer langen Streckenabschnitt neu, auf dem vorher neunzig Liter pro Sekunde verloren gingen. Davon profitieren 2815 Kleinbauern, die an dieses Wassernetz angeschlossen sind.

Die Wassersparaktion der Insel Madeira sieht neben der Instandsetzung maroder Abschnitte des Kanalsystems bis 2011 auch den Bau von Seen in Höhenlage vor, die den Niederschlag konzentrieren sollen. Wasserbedarf melden nicht nur die Bauern im Süden der Insel an. In der Inselhauptstadt steigt der Wasserverbrauch ständig. Ein Grund dafür ist die wachsende Zahl der Hotels dort. Hotels unterhalten Großwäschereien, Spülmaschinenparks, Gartenanlagen und Swimmingpools-Pools. Das alles sind wasserintensive Einrichtungen. Während der normale Funchalense 200 Liter Wasser pro Tag verbraucht, zapfen die 30 Tausend Hauptstadttouristen täglich pro Kopf 350 Liter aus dem öffentlichen Versorgungssystem ab. Bedarf mit zusätzlich geplanten Hotels steigend. Ob das Wasser reicht für all die Menschen und die Pflanzen und selbst noch für einen weiteren Golfplatz, der in Ponta do Pargo entstehen soll, mag die Inselregierung per Federstrich deklarieren. Letztlich steht es im Ermessen des Wettergottes.

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