Manuel da Sousa Dias
Der Wanderführer Manuel Dias

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Sicherheit ist oberstes Gebot

10. April 2009

Erfahrene Wanderführer begleiten Gruppen aus aller Welt

Am Dienstag, den 7. April 2009, stürzte eine 65jährige Deutsche während einer Wandertour auf der Nordseite Madeiras zweihundert Meter tief in eine Schlucht hinab. Die Frau wurde unter schwierigen Umständen geborgen, erlag aber später ihren Verletzungen. Ein Schild hatte vor dem betreffenden Streckenabschnitt gewarnt. „Gefährlich. Nicht Durch Gehen“ stand auch auf Deutsch zu lesen. 

„Wir sind schockiert!“ Die Stimme von Manuel de Sousa Dias wird laut. „Wenn es Stopp! heißt, da gehen wir keinen Schritt mehr weiter.“ Seit 14 Jahren übt der Wanderführer seinen Beruf aus. Viele hundert Gäste vor allem aus Deutschland haben sich mit ihm die Schönheiten der Insel erwandert. In einer einjährigen Abendschule hat der in Kaiserslautern aufgewachsene Madeirenser seine Lizenz zum Guia da Montanha (Bergführer) erworben. „Wir haben die Fauna und Flora Madeiras gepaukt. Aber auch erste Hilfe, die Sicherung der Wandergruppe mit Anleinen an schwierigen Stellen. Vor allem aber: Abbruch einer Wanderung, wenn es Erdrutsche gab.“

Im Winter 2008/09 hat es nach vielen Monaten der Trockenheit wieder ergiebig geregnet. „Da wurde die ausgetrocknete Erde einfach weggespült. So sind einige schöne Strecken unpassierbar geworden“, beklagt der 44jährige Wanderführer. Dazu gehören echte Madeira-Klassiker wie Ribeira de Janela, der Abstieg vom Hotel Jardim Atlantico in Prazeres nach Paul do Mar hinunter und eben die Unfallstrecke bei Caldeirão Verde auf der Nordseite der Insel. „Wir Kollegen tauschen uns untereinander aus. Mich rief vorige Woche noch der Albino an und fragte, ob die Strecke bei Ribeira de Janela schon freigeräumt ist. 'Lass die Finger davon', habe ich ihm gesagt. 'Da ist noch nichts gemacht.' Und dann kommt die Wanderung nicht ins Programm!“ Wanderführer Manuel nimmt die Verantwortung ernst, die er gegenüber seiner Wandergruppe besitzt. So ernst, dass er hin und wieder einen Teilnehmer verärgert. „Wenn der ohne geeignetes Schuhwerk ankommt, dann sag ich: 'Im Halbkreis Abmarsch. Dich nehme ich so nicht mit.' Und dann bleibt der solange im Hotel, bis er sich vernünftige Wanderschuhe besorgt hat.“

Der erfahrene Wanderführer arbeitet für einen renommierten deutschen Anbieter von Wanderreisen. Auch die etablierten Österreicher arbeiten seriös. „Wir sind alle vor Ort. Die Wanderführer wohnen in der Regel seit Jahren auf Madeira. Die kennen jeden Stock und jeden Stein. Natürlich passiert immer mal ein Unfall. Aber ein Absturz an einer verbotenen Stelle - Das Risiko der Passage würden unsere Firmen gar nicht eingehen. Da gibt es eher Geld zurück...“ Manuel de Sousa Dias vermutet, dass immer dann Risiken auftauchen, wenn eine Gruppe aus Deutschland oder woher auch immer mit einem Begleiter anreist, der nach dem Aufenthalt Madeira mit der Gruppe auch wieder verlässt. „Da kann es dann zu solch einer Tragödie kommen, weil der Gruppenführer nicht eingebunden ist in ein Netz von Kollegen, die Tipps und Warnungen aussprechen.“

Eins der etablieren österreichischen Wanderunternehmen hatte vor ein paar Jahren kurzfristig einen Kollegen zu ersetzen. Da ist denn ein Spezialist für arabische Länder eingesprungen. Dieser musste schon eine Woche vor Eintreffen der Wandergruppe auf der Insel landen, um alle Wanderungen im Vorhinein abzugehen. „So arbeiten wir seriösen Anbieter“, bestätigt Manuel de Sousa Dias. „Für uns ist wichtig „Freude an der Natur, Spaß an der Bewegung, bei Allem aber: Sicherheit geht vor!

Leserbriefe

Renate Röther 10.07.2011 14:08

Seit 2003 kommen mein Mann und ich nach Madeira. Ich buche mir jedes Jahr vier ganztags Wanderungen, Levada und Gebirge.Es ist immer wieder toll, ob bei Sonnenschein oder Regen. Inzwischen kenne ich fast die ganze Insel.
Mit einem Wanderführer fühle ich mich sicher. Ich muss mich jedoch auch von meiner Seite aus auf die Wanderungen einstellen, d.h. eine ordentliche Wanderausrüstung für alle klimatischen Bedingungen haben. Aber nicht alle achten darauf, ob Schuhe und Kleidung für die Wanderung angemessen sind. In den vielen Jahren habe ich nur ein Mal erlebt, dass ein österreichischer Wanderführer Touristen nicht mitgemommen hat, weil sie kein festes Schuhwerk hatten. Man schüttelt immer wieder mit dem Kopf, wenn Frauen mit Sandalen, nur mit einem Top bekleidet und mit Regenschirm, die Wanderung z.B. nach Caldeirão Verde machen und das bei höchstens 13°C. Wenn sich dann die Wanderführerin darüber amüsiert, statt zu Handeln, ist das nicht in Ordnung. Die Verantwortung liegt auch bei ihr. Aber manchmal hat man das Gefühl, es geht wie überall nur ums Geld. Es bedürfte auch einer Aufklärung seitens der Reiseleiter, wenn man bucht.
Aber die wenigsten sind kompetent. Sie wissen gerade mal, dass sie auf Madeira sind, fahren die Hotels ab und hängen Listen aus. Sachkundige Auskünfte können sie kaum geben. Für mich ist Madeira immer wieder ein Erlebnis. Schade finde ich nur, dass die Insel dem Tourismus immer mehr von ihrer Schönheit opfern muss. Die Eingriffe in die Natur bleiben nicht ohne Auswirkung, wie man bei dem Unwetter 2010 gesehen hat. Ich hoffe sehr, dass Madeira noch ein wenig von seiner Ursprünglichkeit behält. Die Insel ist ein echtes Paradies. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr.

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