Freihandelszone
Die Freihandelszone bei Caniçal

Druckansicht

Der Insel Madeira geht ein Stern auf

29. März 2009

In Kürze erscheint EUTELSAT am Horizont

Am 30. März ist Count Down. Dann schießt die französische Firma Eutelsat ihren 25. Satelliten auf Kurs. In einer Höhe von 36 Tausend Kilometern wird das Flugobjekt schließlich über Madeira stehen. Parallel dazu bewegt sich eine französische Elitetruppe auf die Freihandelszone des Eilandes zu. Darin soll ein Camp entstehen, aus dem Spezialtechniker das künstliche Himmelsgestirn lenken und einrichten. Obwohl der französische Staatspräsident immer wieder Front gegen europäische Off-Shore-Enklaven lanciert, schlüpfen die Satellitenbetreiber aus den Land von Käse und Wein wohlgemut bei den Madeirensern unter. 

24 Satelliten von Eutelsat kreisen im Takt mit der Erde. Sie decken Europa, den Mittleren Orient, Afrika, Indien und große Teile Asiens und Amerikas ab. Über diese Satelliten kann man fernsehen, telefonieren, im Internet surfen und Luft- und Seetransporte verfolgen. Die Satellitenflotte des französischen Anbieters ist zu 93 Prozent ausgebucht. Also schießt Eutelsat, das zu den drei Weltgrößten der Branche gehört, weitere Satelliten los. Die Auswahl Madeiras als „Standort“ für Satellit Nummer 25 hat zwei Gründe. Zum Einen bieten die Koordinaten Madeiras enorme Reichweite in Richtung Arabisches Horn, aber auch nach Westen, wo über den großen Teich hinweg Süd-Carolina, Tennessee, Texas und Nord-Mexiko einen modernen Massenkommunikationsmarkt offerieren. Zum Anderen ist die Observationsstation unterhalb des neuen Satelliten für Eutelsat relativ preiswert. In der madeirensischen Off-Shore-Zone werden die Umsätze geringfügig besteuert. Natürlich profitiert Madeira selbst von der Bereitstellung der Infrastruktur. Deshalb steuert die Autonome Region fünf Millionen Euro bei, die EU ist auch beteiligt. Eutelsat investiert ca. 80 Millionen Euro in den Aufbau der Überwachungsstation in der Freihandelszone.

Es gibt einige Ungereimtheiten, die Madeiras Freihandelszone betreffen. Die Hard Facts aufzubereiten, wäre Aufgabe eines anderen Artikels. Hier soll nur eine Anekdote berichtet werden, deren Wahrheitsgehalt nicht gesichert ist. Ein belgischer Zuckerbäcker wollte mit einem gleichgesinnten Kollegen in der Freihandelszone eine kostengünstige Marzipan—Produktion aufziehen. Der Import von Zucker vor Europas Küste war zur Geburtsstunde dieser Idee um sechzig Prozent billiger als in den regulären Häfen. Die beiden Pâtissiers wollten ein qualitativ hochwertiges Marzipan in Nordeuropa zu Dumpingpreisen verkaufen. „Was verdienen wir dabei?“, soll der madeirensische Sachbearbeiter vor Vertragsabschluss gefragt haben. Die Beiden gaben angesichts der inoffiziellen Forderungen der Sachwalter auf. Zu solchen Kungeleien kommt es mit Eutelsat sicherlich nicht. Dafür hängt das Projekt einfach zu hoch.

Als historisch muss die Abschussrampe für den Madeira-Satelliten gelten. Von Kosmodrom Baikonur in Kasachstan startete seinerzeit Juri Gagarin mit seinem Sputnik in den Weltraum. Damals ging es um einen Prestige-Wettlauf zwischen UdSSR und USA . Beim Start des 25. Satelliten der französischen Flotte geht es nur noch um Gewinn. Die Welt hat sich verändert und Madeira profitiert davon.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.