Prainha
Menschenleer ist die Prainha im Winter

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Prainha

19. März 2009

Madeiras einziger heller Sandstrand

Madeira ist reich an Natur, aber arm an Sandstränden. Dieses Defizit versucht die Inselregierung mit importiertem Wüstensand zu überdecken. Aus der Sahara gelangten unendlich viele Schiffsladungen in die Bucht von Calheta. Auch in Machico gibt es einen kleinen künstlichen Strand. Für die Praia Formosa bei Funchal ist eine weitere weiße Strand-Oase vorgesehen. Mit solchen „Arabesken“ läuft die Regierung Madeiras der Illusion hinterher, sie könne rauhe Küstenstreifen verniedlichen. Natürliche Sandstrände gibt es wenige und die sind schwarz. Besagte Praia Formosa, großzügig und mit wunderbarem Kontrast von schwarzem Sand vor blauem Himmel, die Bucht von Seixal im Norden mit weichem schwarzen Sand, oder im Wechsel mit Kieselsteinen zum Beispiel in Madalena do Mar. Eine einzige Bucht Madeiras hat hellen Natursand. Sie heißt Prainha – das Strändchen. 

Keine hundert Meter breit ist die Bucht am „Fischschwanz“ von Madeira. Dieser „Fischschwanz“ sieht auf der Karte lang und dünn aus und würde wild zappeln, wenn nicht das Meer ihn von zwei Seiten festhielte. Die Ponta São Lourenço – so der Name der schmalen Halbinsel am Ostende Madeiras – bildet einen Bergkamm, auf dem zunächst noch die Straße verläuft. Ein unscheinbares Hinweisschild „Prainha“ am Wegesrand. Der Fußweg, der hinab führt, verlangt festes Schuhwerk. Badelatschen sind erst am Strand angesagt. Im Sommer tanzt hier der Bär, besonders am Wochenende. Da ist dann Prainha ein Laufsteg lokaler Schönheiten, die nicht mit Reizen geizen; ein Müllabladeplatz für lärmende Großfamilien; ein Revier für Lokalmatadore mit Bier und Ghetto-Bluster im Gepäck. Ein Spielplatz für Schwimmer und Ballkünstler und überhaupt ein Wallfahrtsort für alle Verehrer des einzig echten, aber nur fastweissen Sandstrands. Herbst- und Wintertags trifft man auf keine Menschenseele in Prainha. Aber „tote Hose“ wäre genau das falsche Attribut. Die von Felsen eingeschlossene Bucht gehört den ewig anrollenden Wellen, ihrem Rauschen, dem Wind und den Möwen, die die Abwesenheit der lärmenden Okkupanten sichtlich genießen. Die Strandbar droht von einer Betonempore hinter dem Sand, dass sie nie wieder öffnen wird. Verwittert die gelbe Farbe, verrammelt die Blendläden, das ganze Gebäude wirkt vom Wind zerzaust. Prainha strahlt in der dunkleren Jahreszeit die Melancholie jener Stätten aus, die vom rührigen Leben vorübergehend verlassen sind, aber unsichtbar signalisieren, dass sie nur eine kleine Verschnaufpause eingelegt haben. Ein Besuch lohnt sich, bevor es dort nur noch Stehplätze gibt.

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