Brotbacken
Glücklich, wer noch einen Backofen besitzt

Druckansicht

Schwarzes Brot

4. Januar 2009

Das Arme-Leute-Essen als Spezialität

Aus den Einkaufswagen von Madeirensern quellen nicht selten Berge von rohem Fleisch hervor. Mit dem aufziehenden Wohlstand überkam die Insel ein Hang zur Fehlernährung. Als Madeira noch das Armenhaus der Nation war, aßen zumindest die einfachen Leute gesund: Mittags und abends gab es Gemüsesuppe oder Eintopf, zum Frühstück und als Pausenschnitte schwarzes Brot. 

In Wirklichkeit ist Pão Preto gar nicht schwarz. Kein Vergleich mit dem deutschen Schwarzbrot oder Pumpernickel aus dem Münsterland. Die Portugiesen scheinen ziemlich großzügig zwischen weiß und schwarz zu trennen. So wie sie grüne Feigen weiß und violettfarbene Feigen schwarz nennen, bezeichnen sie eben auch dieses Brot als schwarz. Nicht ganz von den Spelzen gesondertes Weißmehl, sondern Weizen- und Roggenmehl mit „Schalenresten“ werden zum Teig des schwarzen Brots verknetet. Daher die hellbraune Farbe der Schnitten – dunkel im Vergleich zum typischen Weißbrot oder Pão Caseiro.

Vor der Revolution von 1974 kamen nur die Reichen in den Genuss des Weißbrots vom Bäcker. Weißbrot war teuer. Ausschließlich an Festtagen leisteten sich die Bauern einige Laibe des Brots der feinen Herrschaften. Wer einen Brotbackofen daheim besaß, backte sein Brot aus Mehl, das er direkt beim Müller erstand. Das war erschwinglich. Diejenigen Bauernfamilien aber, die ohne Brotbackofen lebten, aßen im Alltag „schwarzes“ Brot. Mittlerweile weiß man, dass ihr Brotkonsum damit richtig gesund war. Das ist der Grund, warum heute noch Pão Preto gebacken und verkauft wird. Das schwarze Brot ist ein Nicht-Bio-Vollkornbrot, das herzhaft schmeckt, lange vorhält, viele Ballaststoffe enthält und immer noch wenig Geld kostet.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.