Einkaufszentrum Dolce Vita
Dolce Vita heisst das neueste Einkaufszentrum in Funchal

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Verödet Funchal?

12. Dezember 2008

Die Restaurants halten der Krise stand, Läden hingegen sterben

Während der vergangenen achtzehn Monaten gaben inselweit 384 Ladeninhaber, Händler und Dienstleister auf. Ein Großteil davon in Madeiras Hauptstadt. Dort stehen nach Angaben des Handelsverbandes fünfzig weitere Läden vor dem Aus. 

Alteingesessene Läden haben es schwer, zu überleben. Ihre Auslagen sind nicht selten altbacken, die Inneneinrichtung wirkt altmodisch; und dass man von vorn bis hinten bedient wird, treibt die Personalkosten in die Höhe. Und längst nicht jeder Kunde schätzt es, unmittelbar persönlich angesprochen zu werden – ein unentschlossenes Verweilen über der Warenauswahl ist in solchem Umfeld nicht erwünscht. Dem traditionellen Einzelhandel läuft generell die Kundschaft weg. Großflächige Filialen portugiesischer wie internationaler Ketten locken Kaufwillige in die neuen Einkaufszentren. Aber selbst Marina Shopping – ein etwas in die Jahre gekommenes Einkaufszentrum, zentral am Stadtpark von Funchal gelegen – kommt aus der Mode. In dem düsteren Bau sind zahlreiche Ladenlokale leergezogen.

Drei neue Center sahnen trotz enormer Mieten ab: Madeira Shopping vor den Toren Funchals, Forum Madeira am Ende der westlichen Hotelzone und der neueste Shopping Komplex: das Dolce Vita in City-Randlage. Mit seinem Standort entspricht das Dolce Vita dem Trend moderner Stadtentwicklung. Die Architektur des Quaders hat allerdings nichts von den mondänen Glaskuppelgalerien, die mit Tageslichteinfall den Übergang von außen nach innen nivellieren.

Das hinterwäldlerische Madeira strömt in den Konsumklotz, shoppingbegeisterte Funchaltouristen pendeln zu Fuß von dem architektonisch interessanteren Madeira Forum zum City-integralen Dolce Vita. Von einer Verödung Funchals kann also keine Rede sein, zumal eine rasante Entwicklung der Straßenprostitution im weiten Rund ums Dolce Vita das Viertel auf bizarre Weise aufpeppt. So entsteht an der Peripherie der City eine neue Bewegung, während im Herzen der City- genauer genommen, in der verkehrsberuhigten Zone – das kommerzielle Leben auszubluten beginnt.

Die Restaurants halten sich, anders als die alten Läden. Einheimische wie Touristen lieben es, in Gassen ohne Autoverkehr draußen zu sitzen und zu speisen. Die Altstadt Funchals – zum anderen Ende der City gelegen – hat sich zu einer fast verkehrsfreien Flaniermeile mit ansehnlichen Restaurants gemausert, die mehrheitlich schwarze Zahlen schreiben. Läden gibt es dort fast keine mehr. Die Romantik der Gässchen rund um die kleine Kirche Santa Maria wird lediglich durch die Drogenszene getrübt, die dort pulsiert.

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