Windrad Aufbau
Ein weiteres Windrad wird auf der Hochebene aufgebaut

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Neue Kraft gewinnen

3. Dezember 2008

Madeira emanzipiert sich vom Erdöl

Ökos sind sie wahrhaft nicht. Aber der Energiemarkt lässt ihnen keine andere Wahl. Madeiras Entscheidungsträger landen mit Volldampf im Lager der alternativen Energie. 

Noch Zukunftsmusik ist die Gewinnung von Strom aus einem ozeanischen Wellenpark an der Ostküste der Insel. Schon Realität ist die Erweiterung der Windkraftanlage auf der Hochebene Paul da Serra. Madeiras Energiegewinnung aus Wind wird sich durch die Einbindung siebenundzwanzig neuer Räder verdreifachen ( auf 38,7 MWh) und der Atmosphäre einen jährlichen CO2-Ausstoß von 27 Tausend Tonnen ersparen. Soviel Dreck nämlich würde ein dieselbetriebenes Kraftwerk aus dem Kamin pusten, wollte es die gleiche Menge Energie erzeugen. Madeira produziert immer noch den Löwenanteil seiner Energie per Diesel-Generator. Der Treibstoffpreis klettert mit Verschnaufpausen. Wer nicht in der Ölfalle zappeln will, muss jetzt handeln. Also will Madeira den Anteil der Wind- und Wasserkraft an der gesamten Inselpower bis 2017 auf 27 Prozent anheben.

Damit nicht genug. Aus Mikroalgen und Altöl beabsichtigt die nahe Lissabon gelegene Excalibus Stiftung Biodiesel in Madeiras Freihandelszone herzustellen. Desweiteren macht sich die Firma Nutron Energias für die Errichtung einer Fabrik im Werte von vierzig Millionen Euro stark, die jährlich fünf Megawatt Stromleistung aus Biomasse gewinnen will. In der Biomasse spielen Pflanzen- und Baumreste mit tierischen Exkrementen zusammen. Gase entstehen, die in Energie transformiert werden. Die Fabrik soll 2010 auf Madeira zu arbeiten beginnen. Ihr wird auch eine Vorreiterrolle für Entwicklungszonen wie Kapverden, Angola und Osteuropa zugemessen. Außerdem plant Nutron Energias mittelgroße Photovoltaik Fabriken für Madeira und Porto Santo. Bei der Photovoltaik wird aus Licht Strom gewonnen. Ob die ehrgeizigen und vor allem sehr teuren Projekte der Firma Wirklichkeit werden, bleibt abzuwarten. Denn eine der Investorinnen bei Nutron Energias scheint über eine schwächelnde Bank und das Colombo's Resort auf Porto Santo – eine riesige Luxusanlage am Goldstrand, die von Anfang an waghalsig kalkuliert war – zu straucheln.

Fehlinvestitionen sind eine Sache, Investitionen in die regenerative Energiezukunft eine andere. Und hierbei geht Porto Santo aufs Ganze. Derzeit gewinnt auch diese Insel den Hauptteil der benötigten Energie mit Hilfe eines Dieselgenerators. Wenn die Fähre im Hafen der Nachbarinsel von Madeira andockt, sieht man die konventionelle Stromfabrik hinter dem Hafenbecken liegen. Genau diese Fabrik soll für ein Verfahren zur Herstellung von Biodiesel ausgebaut werden. Zusammen mit dem Elektrizitätswerk will die Firma Bio Fuel Systems in rund sechshundert elektromagnetischen Bioerhitzern, Tanks, Trocknern, Zerlegeapparaten und Feuerstellen auf einer Fläche von einem Hektar Mikroalgen zu einer Energiemasse konzentrieren, die 97,5 Prozent des Strombedarfs der Insel abdeckt. Sollte dieses für 2016 anvisierte Ziel erreicht werden, kann Porto Santo dann auf den Import von jährlich17 Tausend Tonnen Dieselöl verzichten. Das würde gleichzeitig der Umwelt 50 Tausend Tonnen CO2 Emissionen ersparen. Zwischenzeitlich läuft die Aufrüstung der Windenergie. Obwohl die Sonne im Sommer die Hänge verbrennt, käme Porto Santo mit dieser Revolution in den Rang der vielleicht „grünsten“ Insel weit und breit.

Auf beiden Inseln – Madeira und Porto Santo – weht die frische Brise einer umweltfreundlichen Energiegewinnung, mit der man heute – das sei auch gesagt – reichlich Geld verdienen kann.

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