Levada do Piornais
Die Levada do Piornais oberhalb des Hotelviertels

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Strauchdiebe an der Piornais

23. Oktober 2008

Madeiras Levadawege sind nicht überall sicher

Als Wandertour beginnt die Levada dos Piornais inmitten der Inselhauptstadt. Und ist darum gerade von der westlichen Hotelzone aus leicht zu erreichen. Vermutlich ist das der Grund, warum bis heute einige Reiseführer diese Levada an erster Stelle empfehlen.Der Zugang zur Levada, etwa am Stadion "Barreiros", ist leicht zu finden, man braucht keine 500 Höhenmeter aufzusteigen, nicht einmal ein Mietauto ist nötig. Und wo der Reiseführer dazu noch ein Foto aus alten Zeiten veröffentlicht, verblüfft die dramatische Levadaführung im Steilhang über wunderschöne grüne Bananenplantagen. Doch diese  Fotos wurden vor vielen Jahren im Socorridos-Tal aufgenommen – so weit wandert kaum einer der Touristen, und obendrein ist das Tal längst nicht mehr unberührt. Zunächst führt die Levada oberhalb von hässlichen Neubaugebieten, sodann läuft sie auf die Autobahn zu, gerät zu einer Art Kriechspur neben den Rasern. Wo sie endlich ländlich wird, ist der Ausblick durch Industrieansiedlungen verhunzt. Kurz darauf begegnen individuell Wandernde Wegelagerern.

Es ist immer wieder dasselbe Spiel. Wo die Levadatour auf Camara do Lobos zugeht, springen einem Gestalten entgegen, zücken ein Messer und verlangen Geld und Wertgegenstände. Die Räuber sind zwischen 16 und 30 Jahre alt und wollen „eine schnelle Mark“ machen, wie man vor der Währungsumstellung gesagt hätte. Camara de Lobos ist eine der größeren Städte Madeiras, zwischen Armut und Elend angesiedelt. Die Bewohner des sozialen Brennpunktes Camara de Lobos trachten an der Levada dos Piornais selbst danach, „ihr Glück zu machen“. Am 9. Oktober verläuft alles wie nach einem ehernen Drehbuch. Ein Paar wandert daher. Plötzlich stellen sich ihnen zwei junge Männer in den Weg, einer zückt ein Messer. Achtzig Euro wechseln den Besitzer. Das ist nicht genug. Eine Sonnenbrille wird von der Nase gerissen. Und im Galopp verschwinden die Strauchdiebe. Im Trab laufen die beiden Wanderer hinterher und verständigen die erstbeste Bäuerin auf einem Feld. Die versteht sofort, benachrichtigt die Polizei. Eine Sondertruppe für Überfälle auf der Piornais steht Gewehr bei Fuß und fasst nach kurzer Zeit einen der Täter mit der Hälfte des Geldes. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Gestellte seinen Komplizen verpfeift. Und trotzdem wird es immer wieder Überfälle geben. Darum sollte man die Levada dos Piornais lieber meiden. Sie ist längst nicht mehr so attraktiv wie vor zwanzig Jahren – und sie ist gefährlich. Das unterscheidet sie von anderen Wandertouren Madeiras. Dort nämlich geht man schön sicher und sicher viel schöner.

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