Was Rang und Namen hat

19. September 2008

Portugal bringt alles unter einen Hut

Die große Seefahrernation besaß im ausgehenden Mittelalter befestigte Stützpunkte in fast aller Welt. Vor seinem Höhenflug wurde Portugal weitflächig von Arabern dirigiert. Portugiesische Vornamen aus der katholischen wie aus der „heidnischen“ Welt erinnern an uralte Zeiten. 

Ein Rendezvous der Antike ist die aktuelle Politik. Der portugiesische Regierungschef heißt Sokrates. Der die Azoren regiert, schimpft sich César. Und der aktuelle Staatspräsident hieß in der Wahlkampagne Anibal. Zum Staatsoberhaupt erkoren, legt er offenbar weniger Wert auf seinen Vornamen. Klar doch: einmal mittendrin, verliert „Hannibal ante portas“ seine Bedeutung.

In religiöser Hinsicht sind portugiesische Vornamen kosmopolitisch. Der weit verbreitete Frauenname Lurdes zielt auf den französischen Wallfahrtsort. Schreibweise und Aussprache sind nicht ganz korrekt. Bei Fatima stimmt wohl die Schreibweise, aber der Hintergrund wird ausgeblendet. Fatima ist das portugiesische Pendant zu Lourdes. In dem Dorf nördlich von Lissabon erschien im Jahre 1917 die Gottesmutter drei Hirtenkindern. Monate später rotierte gar die Sonne. Die unzähligen Fatimas unter der Sonne Portugals halten ihren Namen für urportugiesisch. Ihre Schwestern in der Türkei, dem Maghreb oder in Kreuzberg würden irritiert blinzeln, wenn sie davon hörten. Fatima war schließlich eine der jüngeren Töchter Mohammeds. Darüber hinaus war sie die Ahnfrau der Fatimiden, einer schiitischen Richtung aus Nordafrika. Wahrscheinlich wählten Anhänger dieser Dynastie den Namen der großen Dame zum Namen des Dorfes in Portugal, als sie das Land erobert hatten.

Das eigentliche Wunder von Fatima ist das Miteinander der Mutter des einen und der Tochter des anderen Religionsstifters in diesem kleinen Ort. Und so wenig wie die vielen Pilger in Fatima von der Namenspatronin des Dorfes wissen, die mit dem Kalifen Ali verheiratet war, dem Ahnherr der liberalen Aleviten, so wenig wissen die portugiesischen Mädchen und Frauen mit dem Vornamen Fatima von ihrer geheimnisvollen Ergänzung in der fremden Religion.

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