Porto Santo westlich des Golfplatzes
Gigantisches Bauprojekt im Inneren der Insel

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Wohin strebt Porto Santo?

27. Januar 2009

„Die goldene Insel“ soll güldene Dukaten backen

Der kleine Nachbar Madeiras strebt ins Gigantische. Mit ehrgeizigen Hotelprojekten will die nur elf km lange und sechs km breite Insel demnächst bis zu zehntausend Gäste gleichzeitig unterbringen können. Der Traum vom „full house“ hängt in seiner Verwirklichung davon ab, ob die Insel gut gebucht wird. Die italienische Reisegesellschaft, die seit 2005 wöchentlich einfliegt und ein Drittel der derzeit 1500 Betten Porto Santos belegte, springt gerade ab.Das neue Pestana - Hotel ist fertig, die Colombo-Ferien-und Residenz-Anlage muss noch eine höchst richterliche Entscheidung überstehen, ehe sie an den Start geht, und das große Hotel der Fußballprofis Ronaldo, Figo und Co. braucht sicherlich eine Weile, bis es steht. Den drei Projekten ist gemein, dass sie bis an die Dünen des langen Sandstrands herangebaut werden, ohne aber die Strandpassage zu behindern. Auch sind sie flach gehalten und passen sich architektonisch und auch farblich in die Landschaft ein.

Nun wartet Porto Santo mit einem weiteren Großprojekt auf. Es sind 400 ha Land (das entspricht zehn Prozent der gesamten Inselfläche oder fast 300 Fussballplätzen) im Landesinneren zur touristischen Nutzung ausgeschrieben. Mit einem Aufwand von 80 Millionen Euro sollen sich Ferienvillen, Hotels und Restaurants zu einer Swimmingpool durchsetzten lustwandlerischen Urlaubslandschaft an den Rändern des bestehenden Golfplatzes zusammenfügen. Vier Interessenten für dieses Riesenunternehmen stehen bereit: Nordamerikaner, Iren, Spanier und auch wieder der Fußballer Ronaldo, der schon lange von einem Sieben-Sterne-Golfhotel auf Porto Santo schwärmt.

Alle hier erwähnten Hotelprojekte haben dieselbe Ausrichtung: nur die Reichen und Superreichen sind im Visier der Hoteliers und Politiker Madeiras. Den weniger betuchten 42.000 Italienern, die während der vergangenen drei Jahre Porto Santo besuchten, weint man offenbar keine Träne nach. Was er von touristischen Habenichtsen hält, machte Madeiras Regierungschef in anderem Zusammenhang vor etwa einem Jahr deutlich: „Ich will hier keine Surfer. Das sind doch nur Barfüßler!“

Reiche und Superreiche gibt es genügend auf der Welt. Wird aber Porto Santo es schaffen, sie aus Saint Tropez, der Karibik und Miami wegzulocken? Vielleicht kommen einige von ihnen, wenn Sylt untergeht.....Bis dahin aber wird die Zahl der Fremdarbeiter auf Porto Santo erheblich angestiegen sein. Schon jetzt musste Pestana Dunas, das neue Hoteldorf am Strand, Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben, um den Hotelservice zu garantieren. Smarte schwarze Herren bedienen in der Bar und stehen am Buffet. Für die touristischen Riesenprojekte der nahen Zukunft wird der spanische und osteuropäische Arbeitsmarkt sich gern öffnen. So hat man vielleicht in ein paar Jahren auf Porto Santo tatsächlich zehntausend Ausländer zusätzlich: Russen, Ukrainer, Rumänen und Spanier mit ihren Familien als billige Arbeitskräfte. Die fünftausend Einheimischen, die heute die Inselbevölkerung ausmachen, werden sich gewiss gut integrieren.

„Porto Santo – ein Paradies in Entwicklung“ hieß der Kongreß, auf dem Mitte März die politische Elite Madeiras die Weichenstellung für die kleine Insel zelebrierte. Das Pathos klingt naiv bis süffig. Es könnte sein, dass der große Entwurf von der kleinen Insel als einer überdimensionierten Luxus-Suite auf Sand gebaut ist.

Anmerkung der Redaktion

Das Projekt "Colombo's Resort" ist im Januar 2009 endgültig gescheitert. Zuerst fehlten dem Hauptinvestor Silvio Santos sechs Millionen Euro, die er beim Zusammenbruch einer portugiesischen Bank verloren hat. Santos konnte in der Folge weder die Eigentumswohnungen vertragsgemäß fertigstellen, für die er bereits eine satte Anzahlung von den Kaufwilligen kassiert hatte. Noch war er in der Lage, ausstehende Arbeitslöhne zu zahlen. Daraufhin streikten die Arbeiter. Auch stieg der britische Mit-Investor Sharwood aus. Santos' verzweifelter Versuch, in Libyen und Dubai neue Investoren aufzutun, blieb erfolglos. Mit 16 Millionen Euro Schulden behaftet gab der madeirensische Geschäftsmann in der zweiten Januarhälfte auf. Was aus "Colombo's Resort" wird, ist ungewiss. 

 

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