Zuckerrohr-Bündel
Zuckerrohr fertig zum Abtransport

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Jetzt ist Zuckerrohrernte

24. Mai 2008

Zwischen April und Juni werden die Rohrstöcke zermalmt

Die Maschinen in der Zuckerrohrfabrik von Porto da Cruz stehen unter Dampf. Die Ernte im Norden Madeiras beginnt in der zweiten Maihälfte. Aus den angelieferten Rohrstöcken wird der Saft herausgepreßt, der in destillierter Form Rum heißt.Zuckerrohr wächst auf der Südseite Madeiras auf 300 Meter Höhe etwa, auf der Nordseite 150 bis 200 Meter über dem Meeresspiegel. Die Ursprungspflanzen importierten die Portugiesen 1425 aus Sizilien. Besonders am Hofe von Lissabon galt der Madeira-Zucker als Delikatesse. Die Atlantikinsel wurde reich als Zuckerlieferantin für ganz Europa. Bis dann Mitte des 16. Jahrhunderts Brasilien, Kuba und andere südamerikanische Länder Madeira mit ihrer eigenen Rohrzuckerpro- duktion in den Schatten stellten. Die Pflanze gedeiht in Mittel- und Südamerika schneller und die Ernten sind ergiebiger. Im 17. und 18. Jahrhundert brach die madeirensische Produktion ein. Die meisten Bauern stellten zunächst auf Wein-,  später dann auf Bananenanbau um. In sehr vielen Städten und Dörfern Madeiras sieht man heute noch die hohen Schornsteine der alten Zuckerrohrfabriken. Bis auf die in Calheta, Porto da Cruz und Funchal sind die Fabriken aber im Laufe der Jahrhunderte verfallen.

Die schlanken grünen Stengel sind vor der Ernte mannshoch gewachsen und wiegen sich rauschend im Wind. Zuckerrohrernte ist anstrengende Arbeit. Die Blätter werden abgetrennt. Die scharfen Ränder schneiden dabei unvermeidlich in die Haut der Unterarme der Arbeiter. Dann werden die Stengel abgeschlagen und zu dicken Bündeln geschickt zusammengebunden, anschliessend auf Lastwagen verladen und zur Fabrik gebracht. Oder auch nicht. Die Fabriken zahlen nur 25 Cent pro Kilogramm. Das ist herzlich wenig. Zwar ist das Zuckerrohr pflegeleicht. Aber zur Ernte müssen Tagelöhner engagiert werden. Ihre Entlohnung beträgt 45 Euro pro Mann und Tag plus Mahlzeiten und Getränke. Da bleibt nicht mehr viel übrig. Darum lassen nicht wenige Zuckerrohrbauern "heimlich mahlen", wie man in Madeira sagt. Es gibt - besonders im Norden - kleine illegale Produktionsstätten, deren Arbeit von den Produzenten selber bezahlt wird. Danach gehen die Zuckerrohrbauern mit ihrem eigenen Saft nach Hause. In Heimarbeit entsteht dann der hochprozentige Rum. Verkauft an den Kneipenwirt um die Ecke bringt er mehr Rendite als auf dem offiziellen Weg.  

Rohrzucker wird entweder zu „Mel de Cana“ verarbeitet – Zuckerrohr- sirup, dessen Geschmack entfernt an Rübenkraut erinnert und nicht jedermanns Sache ist. Doch im traditionellen Bolo de Mel – dem madeirensischen Honigkuchen – läßt man sich den Sirup gern gefallen. Oder aber man gewinnt aus Rohrzucker Rum, der in Madeira Aguardente heißt. Er ist die Basis der Poncha - dem „National“-Getränk Madeiras, das außer Alkohol Zitronensaft und Honig enthält und am besten frisch zusammengemixt schmeckt.

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