Fensterblatt
Die Früchte des Fensterblatts

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Ananasbananen?

7. April 2008

Mogeleien auf dem Markt

„Die tollsten Früchte hat er uns gezeigt,“ erzählt Elli Schmidt nachmittags beim Kaffee auf der Hotelterrasse. Mit ihrem Mann hatte sie am Freitag Vormittag die Markthalle in Funchal besucht. Im ersten Stock bot ein Händler alle Früchte zum Probieren an. Maracujas und Anonas, englische Tomaten und Papayas, Mangos und Granatäpfel. Längst nicht alle dieser Früchte sind zur selben Zeit auf Madeira reif – einige Exemplare werden aus der weiten Welt nach Funchal eingeflogen . Das erklärt auch den Preis, den der Händler Elli machen wollte: „Er hat mir eine kleine Plastiktüte voll gepackt  – und dann sollte das zwanzig Euro kosten. Nee, das war mir dann aber doch zuviel.“ 

Von einer Frucht jedoch, über die Elli berichtet, hat Carla Heinz, die Botanikerin aus Frankfurt, noch nie gehört. „Ananasbananen“ - was soll das sein? Elli beschreibt die exotische Frucht: „Ein langer grüner Kolben, so ähnlich dick wie ein Maiskolben, aber eben grün. Kleine eckige Teilchen fallen da fast von selber heraus, die hat der Händler aufgespiesst und uns gereicht. Und es schmeckte wirklich nach Ananas.“

Die Beschreibung, so Carla, ist völlig korrekt, doch eine Pflanze mit diesem Namen gibt es nicht. Ananas und Bananen könne man keinesfalls einfach so miteinander kreuzen, erklärt die Pflanzenfachfrau. Die Frucht, die der Händler gereicht hatte, war die Frucht der „Monstera“ - zu deutsch „Fensterblatt“. „Diese Pflanze steht in vielen deutschen Wohnzimmern. Die Blätter sind sehr groß, und mit der Zeit bilden sich Öffnungen in den Blättern aus, wie Fenster, daher der deutsche Name. Die Pflanze ist recht pflegeleicht, sie braucht nur wenig Licht, wenig Wasser, und die Blätter muss man staubfrei halten und häufig besprühen. Früchte bekommt das Fensterblatt im heimischen Wohnzimmer natürlich nicht – und darum bringt kaum ein deutscher Tourist die grünen Kolben mit dieser bekannten Zimmerpflanze in Verbindung.“ Carla weist Elli auch auf eine kleine Gefahr hin: die Früchte der Monstera haben sehr viel Oxalsäure – ähnlich wie Rhabarber. Das verträgt längst nicht jeder, und allergische Reaktionen im Mund- und Rachenraum sind sehr unangenehm. Darum rät sie, erst nur ein winziges Stückchen zu probieren und abzuwarten, wie die Mundschleimhaut reagiert, bevor man gleich einen ganzen (teuren) Kolben ins Hotelzimmer trägt. Sich beim Wandern selbst an einem Fensterblatt zu bedienen und den Kolben irgendwo abzuschneiden, empfiehlt Carla nicht, obwohl man gerade in den kleinen alten Dörfern viele Exemplare dieser Pflanze an Treppenaufgängen und schattigen Hauswänden findet. Es ist nämlich gar nicht leicht zu erkennen, ob die Früchte schon reif sind. Sie müssen in jedem Fall nach der Ernte noch etwas liegen, bevor sie gegessen werden können. Und wenn die selbst abgeschnittene Frucht nach sieben Tagen Hotelzimmer immer noch nicht weich werden will, landet sie schließlich im Müll. – „Das wäre schade“, meint Carla.

Leserbriefe

Ivan Petrenko 03.12.2016 12:42

In Markthalle in Funchal sind Betrüger die beklauen Turisten.Für ein solche Ananasbanane hat 7,50 verlangt :/(20 Euro pro Kilo).In der gleiche Gebaüde unten habe schon 10 Euro pro Kilo gesehen.Ich habe zwei grosse Ananasbananen gekauft auf dem Weg zu Pico Ruivo von strassenhändler für 5 Euro.Er hat erzählt das ein Stück wird verkauft für ein Euro und die verbrecher in Funchal machen 700 prozent drauf ;)

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