Windräder
Windräder auf dem Paul da Serra

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Die Energie aus Wasser, Wind und Sonne gewinnen

18. Februar 2008

Madeira profiliert sich ökologisch

Verdreifachung der Windkraft, die Versorgung einer gesamten Region mit Strom aus der Photovoltaik, Wassererhitzung durch die Sonne in allen Neubauten! Madeira hat sich viel vorgenommen. 

Dabei macht die Energiewirtschaft letztlich nur eine Tugend aus der Not. Wem aus der Bevölkerung schmeckt das Essen noch, wenn die Propan-Flasche, die den Gasherd speist, in den vergangenen acht Jahren um 35 Prozent teurer geworden ist? Und diejenigen der Insulaner, die von Gas auf Elektro umgerüstet haben, sind von Zukunftsangst geplagt. Die effektiven Stromkosten klettern mit den Ölpreisen um die Wette, eingedenk der Tatsache, daß auf Madeira 80 Prozent des Strombedarfs über Dieselgeneratoren gedeckt wird. Derzeit bemüht sich das Elekrizitätswerk, die Kostenspirale durch eigene Zuschüsse auszuhebeln. Aber der Unternehmensleitung ist klar, daß bei strikter Beibehaltung des konventionellen Kurses die Konsumenten binnen kürzester Zeit erheblich zur Kasse gebeten werden müßten. Massiven Unmut zu vermeiden, müssen neue Lösungen her. Und an denen ist Madeira reich.


Da ist einmal die Windkraft, mit der die beiden Inseln Madeira und Porto Santo seit fast zwanzig Jahren zwei Prozent der ins Netz gespeisten Energie aufbringen. Auf Madeiras Hochebene Paúl da Serra werden nun zwei neue Windradparks entstehen, die die Produktion erheblich ankurbeln. Insgesamt sechs Prozent des Gesamtstromaufkommens soll demnächst der Wind besorgen.
Gleichbleibend zehn Prozent des Inselstroms verdanken sich der Kraft des Wassers. Wo die Levadas in Schußfahrten zu Tal klatschen, treiben sie in Kraftwerken, die "Central" heißen, riesige Turbinen an. Pläne, die Brandung des Meeres zur Energiegewinnung zu nutzen, sind Zukunftsmusik.


Ganz neu ist die Idee der Photovoltaik auf den beiden Atlantik-Inseln gelandet. Fünf Firmen konkurrieren seit November 2007 um ein Projekt, daß die zweitgrößte Stadt Madeiras, nämlich Machico an der Ostküste, vollständig mit aus Tageslicht gewonnenem Strom versorgen will. Im Unterschied zur individuell effektiven Warmwasseraufbereitung ist die Gewinnung von Strom aus Sonnenlicht lukrativer, wenn Großanlagen flächendeckend arbeiten. Inzwischen hat man die Pläne für die Region Machico fallengelassen. Nun ist Prazeres an der Westküste Madeiras im Gespräch. 4000 Panele sollen dort installiert werden, um Haushalte, Amtsstuben, die Kirche mit dem Streichelzoo, Kneipen, Läden und Hotels mit Strom zu versorgen. Die Investitionskosten von 120 Millionen € werden nicht von der Gemeinde, sondern von dem Unternehmen aufgebracht, das den Zuschlag für das Projekt erhält. Desgleichen zeigt die Nachbarinsel Porto Santo Interesse an einer Photovoltaik-Anlage. Auch hier produzieren Dieselgeneratoren - im Zusammenklang mit einigen Windrädern - den Strom. Mit der neuen Technologie könnte der alte Diesel bald in Rente gehen.


Zu guter Letzt tritt ab Sommer 2008 landesweit eine Veränderung in Kraft, die alle Neubauten auf eigene Kosten zur Warmwasseraufbereitung per Solarenergie verdonnert. Für Altbauten, die aus eigenem Antrieb auf Solarenergie umrüsten, hat der Staat die Zuschüsse gestrichen. Aber die Investitionskosten sind auf Madeira soweit gesunken, daß schon nach wenigen Jahren die Sonne heißes Wasser umsonst in die Badewanne schüttet. Einschließlich Logistik, Montage und Zweijahresgarantie kostet eine Warmwasseraufbereitungsanlage für einen Haushalt von vier oder mehr Personen zwischen 2750 € und 3300 €.

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