Apfelbaum
Die Äpfel sind reif

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Sauer, aber lecker

2. November 2007

Ebbelwoi-Probe in Prazeres

Der erste Eindruck ist – sauer. Richtig sauer ist dieses Getränk und dazu schmeckt es stark nach Hefe. Der zweite Eindruck ist – erfrischend, leicht, warm. Der madeirensische Apfelwein verblüfft. Wer einen fruchtig-süßen, perlenden Cidre aus der Normandie oder der Bretagne erwartet, ist enttäuscht. Doch wer sich auf das Gläschen Sidra einläßt, das die Wirtsfrau mit erwartungsfroher Miene auf die Theke gestellt hat, freut sich über den wunderbar herben Nachgeschmack, über das erstaunliche Volumen dieses Obstweines, über das wohlige Gefühl im Magen. 

Apfelwein auf Madeira war in früheren Zeiten eher ein Arme-Leute-Getränk. Ähnlich wie im Mittelalter in manchen Gegenden Süddeutschlands stellten die madeirensischen Bauern ihren Hauswein aus dem her, was vor der Tür wächst. Und das ist in den kühleren Gegenden um Santo Antonio da Serra und Camacha im Osten oder um Ponta do Pargo im Westen eben ein Apfelbaum und kein Weinstock.

Um Sidra herzustellen, braucht man genau die kleinen, säuerlichen Äpfel, die dort wachsen. Aus einem „Golden Delicious“ läßt sich kein Apfelwein herstellen – zu süß. Die modernen Obstbauern, die heute wieder Sidra produzieren wie früher, handeln auch in ökologischer Hinsicht sinnvoll. Sie erhalten und pflegen die alten Apfelsorten. Und die Landschaft wird durch die weissen Blüten im blassen Grün der Bäume, im Spätsommer durch die kräftig roten Früchte belebt.

Der madeirensische Apfelwein wird nicht mit Kohlensäure versetzt wie die süßeren Cidre-Sorten in Frankreich. Er wird mit einem festen Korken verschlossen. Wem die Sidra zu sauer ist, der mag vielleicht die Mischung mit Wasser – also eine Apfelweinschorle. Und in der kühleren Jahreszeit schmeckt die Sidra auch angewärmt (nicht kochen lassen!) mit einer Zimtstange, ein paar Nelken, etwas Honig und Zitronensaft. Das – so versichern die Einheimischen – ist das ideale Mittel gegen eine beginnende Erkältung.

Sidra vom Bauern bekommt man nicht in den grossen Supermärkten. Auf dem Sonntagsmarkt in Santo da Serra oder im Teehaus der Quinta Pedagogica in Prazeres wird man eher fündig. Und EUR 1,50 pro Flasche erlaubt die Reisekasse meist noch.

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