Erika
Die Heide wächst auf Madeira in die Höhe

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Erika, lat. ericaceae

30. Oktober 2007

Heidekraut auf Madeira eine Nummer größer

Deutschland im Herbst. Hochsaison für das Heidekraut. In wenigen Wochen werden die kleinstrauchigen Erikapflanzen auf Friedhöfen eine melancholische Stimmung verbreiten. Letzte Blüten des Jahres vor dem Einzug des Winters. Weiß, rot und rosa leuchten sie auf den Grabhügeln. 

Diese Pflanze findet man auf Madeira wieder. Doch wer nicht darauf achtet, wird die Verwandtschaft vielleicht gar nicht erkennen. Denn das „Heidekraut“ wächst hier bis zu 5 Metern in die Höhe. Die Baumheide mit dem lateinischen Namen „Erica arborea“ ist im Mittelmeerraum und im ostafrikanischen Gebirge zu Hause. Eine nahe Verwandte hat sich nach Madeira verirrt, also in den atlantischen Vorposten des afrikanischen Kontinents. Recht hoch hinaus muß man, um die Baumheide der Insel aufzuspüren. Sie wächst meist ab 700 m über Meeresniveau, aber bis in die hohen Lorbeerwälder hinauf. Schöne Exemplare findet man am Pico Ruivo, bei der Bica da Cana oder auch an den Levadas von Rabacal. Ihre Blüten sind von Februar bis Mai zu sehen, weiß mit roten Staubgefäßen. Früher hat man aus der Baumheide gern Holzkohle gemacht.

Genauso „nützlich“ ist die Besenheide, erica scoparia. Wie ihr Name schon sagt, eignet sie sich zum Besenbinden, und noch heute sieht man auf Madeira solche gebundenen Besen aus Besenheide im Gebrauch. Auch Zäune werden heute noch aus ihrem Holz gebaut, im Norden Madeiras beobachtet man die Besenheide oft als Windschutzzaun für die Weinreben. Diese Pflanze ist sehr genügsam, sie wächst von Meeresniveau bis auf über 1000 m hinauf. Gelegentlich sieht man daher beide Heide-Arten direkt nebeneinander. Die Besenheide hat deutlich längere Nadeln als die Baumheide. Mit diesen Nadeln fängt sie das Wasser aus den tiefhängenden Wolken auf und leitet es in den Boden. Die Äste haben meist eine rötliche Rinde. Wenn ein dicker Ast vom Wasserkanal quer in Richtung Tal wächst, gerade in Kopfhöhe oder sogar noch tiefer, womöglich von Flechten behangen, dann ist das meist ein Ast der Besenheide. Wie ein Dach wächst die madeirensische Erika über den Wandernden, mit langen, knöcherigen Ästen.

Im Sonnenschein des November wandert man unter Besen- und Baumheide auf eine Licht-Schatten-Reise und erinnert sich vielleicht an die melancholische Stimmung der blühenden Erikapflanzen im Glanze der Allerheiligen-Lichter auf dem Friedhof daheim. Melancholie oder gar Trauer kommt da eher nicht auf. Wohl aber Verwunderung darüber, dass das kleine Gewächs auf Madeira so mächtige Verwandte hat.

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