Kai Ponta do Sol
Der Kai von Ponta do Sol

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Der Kai von Ponta do Sol

10. September 2007

Eine der ältesten Hafenanlagen Madeiras

Ponta do Sol liegt an der Südwestküste Madeiras. Das touristisch attraktive Örtchen war immer schon ein wohlhabender Flecken. Zuckerrohr-, Wein- und Bananenanbau verschafften der landbesitzenden Oberschicht seit dem 16. Jahrhundert Reichtum und Ansehen. Zur Verschiffung der Ernten wurde zwischen 1848 und 1850 der Kai gemauert.

Intelligent nutzten die Ingenieure des Rathauses die Lavafelsen, die am Strand von Ponta do Sol eine Strecke ins Meer hinaus markieren. Die Maurer verbanden diese natürlichen Felsinseln miteinander. So sparten sie nicht nur Baumaterial, sie nutzten geschickt jene Linie aus, die winterlicher Atlantikbrandung am sichersten trotzt. Ursprünglich hieß das Bauwerk „Kai des Herzogs von Leuchtenberg“. Das Adelsgeschlecht der Leuchtenbergs stammt ursprünglich aus Bayern und starb 1646 aus. Der Titel aber lebte wie folgt weiter: Als Napoleon seine erste Frau Josephine freite, brachte die Dame aus erster Verbindung den Sohn Eugene Beauharnais mit in die Ehe. Dieser Stiefsohn Kaiser Napoleons wurde Erbe des italienischen Königreiches und französischer Heerführer. Außerdem vermählte er sich mit einer bayrischen Prinzessin. Sein Schwiegervater überließ ihm 1817 die Grafschaft Leuchtenberg. Vermutlich war es dann ein Sohn dieses Eugene, der den Titel „Herzog von Leuchtenberg“ nach Madeira exportierte. Mitte des 19. Jahrhunderts weilte dieser Herzog auf der Atlantikinsel - vielleicht wollte er die Stätte besuchen, wo Stiefgroßvater Napoleon 1815 auf seiner letzten Tour nach St. Helena Halt gemacht hatte. Das ist jedoch blosse Spekulation. Die Madeirenser indes zollten der Weltgeschichte Tribut, indem sie den Kai von Ponta do Sol nach Leuchtenberg benannten. Diese Kapriole hat sich im Laufe der Jahrzehnte aber verloren.

Der Kai von Ponta do Sol diente in der Vergangenheit als Hafenanlage. Dampfschiffe transportierten von hier aus regelmäßig Güter, aber auch Passagiere entlang der Küste bis nach Funchal und auch in Richtung Westen. Heute wird der Kai von Anglern genutzt. Im Sommer lassen sich wagemutige Jugendliche von hier aus 10 m tief in die Fluten des Atlantik fallen – allen Ermahnungen und allem Schimpfen der Lebensrettungsgesellschaft zum Trotz. Ein Restaurant auf dem Kai bietet Espadafilet mit Banane zu zivilen Preisen und mit herrlichem Blick auf den Atlantik. Jeden Abend (montags geschlossen!) feiern die Restaurantbesucher den betörendem Sonnenuntergang, fotografieren das Spektakel - und verpassen es dabei.

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