Christiano Ronaldo
Christiano Ronaldo

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Fussball-Fieber

27. Mai 2006

Auch Madeira ist befallen

Dass Brasilien Rekord-Weltmeister ist, begeistert Portugiesen kaum. Die ehemaligen Kolonialherren empfinden es als Schmach, dass die „entlaufenen Sklaven“ besser abschneiden als sie selbst. Hingegen erfüllt die fussballbesessene Nation der zweite Platz bei der Europameisterschaft immer noch mit Stolz Von der Wiederkehr eines solchen Erfolgs träumt die Fangemeinde. Hauptakteur in dem Traum ist der blutjunge Ronaldo, Stürmerstar aus Madeira.Christiano Ronaldo (21) stammt aus einer Randzone der Inselhauptstadt Funchal. Der Vater arbeitete als Taxifahrer. Arm war die Familie wie all die Nachbarn und Verwandten, die im sozialen Wohnungsbau zusammengepfercht leben. Ein nahe gelegener Bolzplatz auf Beton, übersät mit Glasscherben, war der Boden, auf dem das Talent wuchs. Ähnlich wie bei den tennisspielenden Williams-Schwestern aus dem Slum stieg der Weg nach oben besonders steil an. Derzeit spielt Ronaldo noch in der englischen Liga. Aber betuchte Clubs aus ganz Europa zeigen Interesse. Auf dem Fussballfeld gilt der soziale Aussenseiter als Wunderkind. Pöbeleien mit dem Publikum zwangen Ronaldo während der letzten Saison auf die Strafbank. Dabei war sich der Junge keiner Schuld bewusst. Im Stadion fühlt er sich wie zu Hause. An einer Verwaltigungsklage war nichts dran. Im April wurde der Fussballer aus Madeira mit einem Mannequin eng umschlungen an den Stränden Sardiniens aufgespürt - von Paparazzis, die ihn auf Schritt und Tritt beschatteten. Der aus dem gesellschaftlichen Abseits Stammende ist zum Promi aufgestiegen. Nicht nur seine Ballkünste erregen Aufmerksamkeit. Ronaldo ist der Trumpf der portugiesischen Nationalmannschaft bei der WM in Deutschland. Ein weisser Eusebio. Ein Kempe, der das EU- Schlusslicht Portugal zum Glanz von Vasco da Gama zurückballern könnte. Besonders die Madeirenser wären stolz auf einen siegreichen Sohn der Insel, wurden und werden sie doch von Festland-Portugal immer etwas schief angesehen.

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