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Porto Santo – kleine Insel ganz groß

30. Juni 2006

Das i-Tüpfelchen in der Sandstrandkonkurrenz?

Fuerteventura reklamiert die schönsten Sandstrände für sich. Mit seinen neun Kilometern weißen Sandes kann Porto Santo gewiß nicht dagegenhalten. Allerdings setzt die winzige Nachbarinsel Madeiras alles daran, im Sandstrandwettbewerb der Vulkaninseln vor Afrikas Nordwestküste zum i-Tüpfelchen zu werden. 

Eigentlich ist es ganz einfach: Die Stärke des Ferienziels Porto Santo liegt in seiner Verschlafenheit. Die gerade einmal 43 Quadratkilometer umfassende Insel ist, wie die Franzosen sagen würden, ein "trou perdu", ein verlorenes Loch in den Weiten des Atlantik. Ideal für Individualisten und Meditative, Sportliche und Schlenderer, Verträumte und Nachdenkliche. Anders ist das nur in den heissen Ferienmonaten Juli und August, wenn fünfzehntausend lärmende Urlauber Porto Santo überfluten. Danach geht es wieder gemütlich und still zu auf der Nachbarinsel Madeiras. Zu still, wie die Inselverwaltung findet. Der Tourismus müsse das ganze Jahr über blühen. Dass die tosende Sommersaison einmalig kurz bleibt, das wissen die Verantwortlich genau. Doch der dem Boom folgende jähe Einbruch soll abgefedert werden. Mit einer aufwendigen Sportinitiative bemüht sich das Rathaus, dem Namen Porto Santo ein internationales Flair zu geben,mit gemischtem Erfolg. Zwar fand auf dem neuen 18-Loch-Golfplatz der Insel Mitte Februar die Portuguese Open der Golfamateure statt. Aber die von offizieller Seite lancierte Meldung, Boris Becker käme , um in Porto Santo ein vorösterliches Trainingslager durchzuführen, erwies sich als schlechter Bluff. Fakt ist, dass das Tennis-Centre mit sechs Hartplätzen nicht genutzt wird - weder von Professionellen noch von Einheimischen, die ohnehin dem Fussball verfallen sind. Wenn nicht weitere Finanzhilfen erfolgen, erweist es sich bald als Fehlplanung. Ein breites Publikum übers gesamte Jahr anzulocken, darauf setzen die touristischen Grossprojekte, die am Inselstrand Gestalt annehmen. Die größte portugiesische Hotelgruppe Petstana baut derzeit Nobelherbergen in London, China und – Porto Santo. Mit 250 Zimmern ist "Pestana Dunas" das siebte grosse Hotel auf der Insel, und das erste mit einer Fünf-Sterne-Auszeichnung. Dieses sicherlich teure Hotel wird nur dann erfolgreich sein, wenn Porto Santos grosser und gar nicht ausgelastetet Flughafen mit Direktflügen aus Europa bedient wird. Zur Zeit fliegt nur eine kleine italienische Linie probeweise direkt von Mailand nach Porto Santo.

Die Vergabe von Direktfluglizenzen, an denen die LTU oder Condor durchaus Interesse haben könnten, wurde von der Lobby der Porto Santo-Fähre bis dato mit Erfolg vereitelt. So sind Porto- Santo-Urlauber auf dem Hin- und Rückflug zu einem Zwischenstopp auf Madeira gezwungen. Da nun Pestana auf Porto Santo gross einsteigt, dürfte mit einer Lizenz-Vergabe bald zu rechnen sein. Denn der starke Einfluss der Hoteliers auf die madeirensische Regierung ist allbekannt. - Ein weiteres Bauprojekt heisst "Colombo's Resort". Das soll Portugals luxuriöste Strandlandschaft werden. Mit Fünf-Sterne-Hotel, Ferienclub, Eigentumswohnungen, Shopping- und Unterhaltungsmeile und Spielcasino. Die Preise für die 205 Ferienwohnungen und – häuser, die schon jetzt am Markt losgeschlagen werden, sind atemberaubend. 115 qm ohne Meerblick kosten über fünfhunderttausend Euro. Ein Häuschen von 125 Quadratmeter Grösse mit Meerblick kommt auf siebenhunderttausend Euro. Mit dem Spielcasino wollen die Investoren ein ganzjähig wirkendes Highlight an den Strand setzen, das auch dunkle lange Winterabende für Feriengäste attraktiv macht. Doch wie es gegenwärtig aussieht, scheint dieses Highlight eher in den Sand gesetzt. Der die autonome Region Madeiras - zu der auch Porto Santo gehört - beaufsichtigende Minister aus Lissabon hat die Rechtmäßigkeit der Enteignungen in Frage gestellt, mit Hilfe derer das Strandareal für den Bau von "Colombo's Resort" zusammengestückelt worden ist. Die Regierung Madeiras hatte die Enteignung mit der Begründung vorgenommen, der Bau von "Colombo's Resort" entspreche öffentlichem Interesse, da Porto Santo dringend gross angelegter Investitionen touristischer Art bedürfe. Die Aufsichtsbehörde hält nun dagegen, dass die Errichtung eines "Hauses des Glücksspiels" nur partikulares und nicht öffentliches Interesse befriedige, dass ferner der massenhafte Bau von Eigentumsobjekten auf dem Gelände von "Colombo's Resort" in keiner Weise als dringend nötige Investition im Bereich des Tourismus zu verstehen sei. Dieser Einwand und die anstehende gerichtliche Klärung dürften das gesamte Projekt wohl kaum zu Fall bringen, allerdings für Turbulenzen sorgen. Schlimmstenfalls droht ein Baustopp über Jahre. - Trotzdem, es lohnt sich derzeit, auf Porto Santo in Immobilien zu investieren. Woanders freilich. Es sind dort nicht schnelle Gewinne zu erzielen, wie man sie für Rumänien oder Bulgarien erwartet. Aber wenn Direkt-Flüge aus Deutschland, Grossbritannien, Österreich und der Schweiz auf Porto Santo anlanden, werden die im Vergleich mit den Kanaren und Balearen immer noch günstigen Land- und Baupreise kräftig anziehen.

Und was wird aus der verschlafenen Insel mit ihrem langem und neun Monate im Jahr fast menschenleeren Sandstrand? Man wird dort weiterhin promenieren können. Ohne Kurtaxe zahlen zu müssen, ohne auf Privatstränden hinter die Dünen ausweichen zu müssen. Es werden neue Strandbars und mehr Pizzerien den Spaziergang säumen. Der urige Campingplatz am Strand verschwindet schon bald. Die Aufrüstung Porto Santos zur Tourismus-Insel duldet keine Camper am "Goldstrand", wie die Einheimischen den Streifen nennen, aus dem sie mehr Kapital schlagen wollen. Das Gelände von "Colombo's Resort" wird – egal ob mit oder ohne Baustopp – ein Jahrzehnt lang wie eine Geisterstadt wirken, künstlich und leblos. Selbst wenn Direktflüge auf der Tafel des Flughafens von Porto Santo aufleuchten werden, ein Massentourismus kann auf Porto Santo nicht entstehen. Dazu ist die Insel zu klein und die Ausrichtung der Hotels zu exklusiv. Preiswerte Ferienhäuser lassen sich an einer Hand abzählen. Sechs Tennisplätze, ein Golfplatz, aber (bis jetzt) keine einzige regelmässig geöffnete Discothek machen Porto Santo für eine Masseninvasion ungeeignet. Man wird also am Strand und im Inneren der Insel im Laufe der Zeit zwar immer mehr Feriengäste treffen. Aber diese Menschen werden im Grossen und Ganzen angenehme Zeitgenossen sein, die sich des Rauschens des Meeres, der Ruhe auf der Insel und der Gelassenheit der Inselbewohner erfreuen. Und ihre Freude wird gewiss noch Platz finden auf dem winzigen Eiland.

Anmerkung der Redaktion am 29.April 2006: Der Baustopp wurde inzwischen verhängt. Im "Diario de Noticias" war zu lesen, dass eine englische Fluggesellschaft noch in diesem Jahr Direktflüge Manchester-Porto Santo einzurichten beabsichtigt. Anmerkung der Redaktion am 27.Juni 2006: Der Baustopp wurde Ende Juni gerichtlich aufgehoben. Das ist nicht das letzte Wort in der Sache. In höherer Instanz wird weiter gestritten...

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